Grainau im Mai: Durch die Hölltentalklamm über Umwege auf den Osterfelderkopf an der Alpspitze

Am heutigen Samstag sollte eine etwas lockerere Tour herhalten um die müden Beine von dem gestrigen Versuch die Zugspitze zu besteigen zu erholen und uns vor den zu erwartenden trapazen des morgigen Tages nicht allzusehr zu verausgaben.

 

Auf zur Höllentalklamm

Gegen 8 Uhr morgens starteten wir bei schönstem Wetter am Wanderparkplatz in Hammersbach und bereiteten uns auf den kurzweiligen Aufstieg entlang des Hammersbach zur Höllentalklamm vor.

 

Die Höllentalklamm passiert man über die Höllentaleingangshütte, an der man einige wenige Taler an Wegzoll lässt. Hinter dieser Forte erwartet einen dann zuerst eine kleine Hütte mit einem Klammmuseum, wo unter anderem die Namensgeschichte der Klamm erläutert wird.  Das Brausen des Hammersbach in der Klamm hält einen jedoch nicht allzulange vor den dortigen Vitrinen und man beginnt seinen Weg durch die Klamm einzuschreiten. Das man innerhalb der Klamm permanent leicht bergauf geht merkt man gar nicht so recht, so sehr ist man ständig mit offenen Mund am Staunen. Im Gegensatz zur Partnachklamm erscheint die Höllentalklamm um einiges wilder und verspielter. Der Weg führt ständig durch kleinere Hölen, überall läuft Wasser die Klamm herunter, was einen natürlich auch selbst nicht verschont. Dabei das tosende Geräusch des Hammersbachs. Ehe man sich versieht sieht man irgendwann die eiserne Brück oberhalb der Klamm und erreicht nur kurze Zeit später den Ausgang und die Ruinen eines alten Elektrizitätswerkes.

Von der Höllentalklamm in Richtung Leiter

Dahinter geht es etwas steiler bergauf und ein Blick zurück offenbart dabei das höchst einladende Endstück des Stangensteigs, der oberhalb der Höllentalklamm verläuft. Nach der kurzen Steigung erreicht man relativ flach und relativ schnell die Höllentalangerhütte, die sich zur Zeit jedoch im Neuaufbau befindet. Der Platz der Hütte markiert den Eingang des Höllentals, und bietete wohl (wenn sie wieder steht) den optimalen Ausgangspunkt für viele der schönsten Bergtouren im Wettersteingebirge. Eine der Routen geht z.B. über die sogenannte Leiter, das Brett und den Gletscher “Höllentalferner” zur Zugspitze.

 

Nun, wo wir schonmal hier sind, bietet sich es sich da auch an bis zum Ende des Höllentales zu gehen und sich mal die erste Klettersteigpassage, also die Leiter, des Zugspitzanstieges anzuschauen. Gesagt getan schritten wir zu unseren ersten extra Kilometer voran um die Leiter zu besichtigen. Der Weg führt schmalpfadig, aber eben bis zum Klammende, ab dort beginnt aber schon der recht steile Aufstieg durch die Felsen. Kurz vor der Leiter stießen wir auf ein sehr kleines Schneefeld an dem wir beschlossen nicht noch weiter zu gehen (immerhin müssen wir auch nochmal zurück) und genoßen so den Ausblick  auf das unter uns liegende Höllental, ehe wir uns wieder bergab in Richtung der Höllentalangerhütte machten.

 

Von der Höllentalangerhütte auf den Weg zum Rindersteig

Dort herrschte mittlerweile reghafterer Wanderbetrieb und wir machten uns recht rasch auf in Richtung der Rinderscharte, von der wir hofften, dass sie uns am heutigen Tag zum Osterfelderkopf an der Alpspitze führen würde.

Der Weg geht gemäßigt bergauf mit herrlichen Panoramablick. Ein weiteres Highlight auf dem Weg nach oben war sicherlich auch eine der Brücken, über die man watschelt, und die auf einer Seite nur von Steinen gestützt war.

Die Befürchtung, die Abzweigung des Rindersteigs auf dem Weg nach oben irgendwie verpassen zu können bestätigte sich nicht, im Gegenteil, wir erreichten schon bald den Wegweiser, der uns auf den richtigen Weg lenkte.

 

Auf dem Rindersteig

Der Rindersteig selbst unterscheidet sich vom vorherigen Aufstieg im wesentlichen in zwei Dingen: 1.) Er ist steiler und 2.) Es befinden sich zahlreiche Stufen auf dem Weg. Gemeinsam hat er jedoch den schönen Panoramablick.

Umso höher wir durch die Serpentinen hinaufstiegen, desto häufiger mischten sich kleinere Schneereste auf dem Weg, an denen man sich jedoch leicht vorbeischleichen konnte. Ein kleineres Schneehindernis überwandten wir, da die Aussicht danach wieder okay aussah.  Als wir jedochRund 300 horizontale und unter 200 vertikale Meter unterhalb des Osterfelderkopfes Standen, gaben wir auf: Schneezungen und die Ungewissheit, wie es weitergeht versperrten uns den Weg. Die Schneezunge fiel recht steil bis ins Tal ab, wegen der Temperatur war der Schnee stellenweise extrem rutschig und stellenweise wieder gefroren. Zudem sahen wir an früheren Feldern, dass das Schmelzwasser den Schnee unterlief. Die Spuren, die wir im Schnee sahen waren zudem nicht frisch sondern mussten schon einige Tage alt sein. Für uns unerfahrenen also ein sicheres Zeichen des Abbruches, denn unser vorhaben war es weder eine Lawine auszulösen, noch eine Rutschpartie mehrere hundert Meter bergab zum Hammersbach zu machen.

Vom Rindersteig zurück zum Hupfleitenjoch

Auf dem Weg zurück kamen uns noch zwei Wanderer aus München entgegen, die wir warnten, dass man als ungeübter an diesem Tag leider nicht über den Rindersteig zum Osterfelderkopf kommt. Sie begleiteten uns ein Stück über die zahlreichen Stufen bergab, ehe wir in den Laufschritt wechselten um eine alternative Route einzuschlagen. Um vom Höllental auf den Osterfelderkopf zu kommen muss man nämlich die Abzweigung zur Rinderscharte nicht nehmen, sondern kann auch den Weg über das Hupfleitenjoch einschlagen. Dieser war besser begehbar. Die wenigen Schneezungen, die man durchquerte waren freigeschaufelt. Der Weg als solches völlig durch bei diesem Wetter nicht benötigte Stahlseile am Rand übersichert. Die größte Anstrengung waren somit die zusätzlichen Höhenmeter.

 

Vom Hupfleitenjoch zum Osterfelderkopf

Am Hupfleitenjoch angekommen zogen sich die Wolken ein wenig zu und wir hielten einen Moment inne um sicher zu sein, dass wir auf den richtigen Weg zum Osterfelder sind. Unterhalb von uns erkannten wir jedoch ein paar Läufer im Schneefeld, die wohl vom Zugspitz Ultratrail Trainingscamp an diesem Tag in der Gegend unterwegs waren. Ein gutes Zeichen, bedeutete das doch, dass der Weg bis zum Osterfelderkopf belaufbar und schaffbar sein wird.

 

 

Auch wir kämpften uns also gehend durch das Schneefeld und erreichten rasch die Abzweigung zum Osterfelderkopf. Nach ein paar weiteren Höhenmetern kamen wir an den mir bereits vertrauten Geo-Informationstafeln vorbei und sahen wenig später dann auch die Bergstation der Alpspitzbahn. Von dort war es dann nur noch ein kleines Stück, ehe wir auf einem Stein vor dem “Gipfelkreuz” am Osterfelderkopf Pause machten, ein wenig Nahrung zu uns nahmen. Dabei genoßen wir den Blick auf dichten Nebel, der uns die eigentlich recht schöne Aussicht auf die Alpspitze verwehrte.

Auch dem AlpspiX statten wir noch einen Besuch ab, der diesesmal jedoch relativ risikolos erfolgte: aufgrund dichten Nebels konnte man nicht ahnen wie tief es eigentlich bergab ging, das beklemmende Gefühl kam also nur im Ansatz auf, etwas mulmig wurde einem nur, als wir das Schwingverhalten der Aussichtsplattform durch einen leichten Sprung austesten. Nicht empfehlenswert. Ganz und gar nicht empfehlenswert.

 

Der Weg bergab über den Jägersteig

Eigentlich war geplant, dass wir, von der Rinderscharte kommend, den Weg des anstehenden Basetrails/Ultratrails folgend uns für den Abstieg in Richtung Hupfleitenjoch aufmachten. Da wir von dort jedoch nun kamen, schlugen wir den Abstieg in Richtung Hochalm über den Hauptweg ein, also den eigentlichen Aufstieg des Trailrunning Events. Über Ostern noch auf sehr direkten Weg durch die Schneepisten hochgekraxelt, freute ich mich nun einen breiten serpentinenartigen Weg vorzufinden, der einen etwas sanfter bergab geleitet. Am grundsätzlichen Eindruck, dass es hier jedoch bald Anstrengend wird lässt der Weg dennoch keinen Zweifel. Er ist lang, steil und es dauert ein gutes Stück ehe man die Längenfelder Talstation erreicht, an welchem der Jägersteig einen dann in Richtung Grainau bringt.

 

 

Der Jägersteig ist sicherlich ein hübscher Abstieg, allerdings auch diesesmal wieder stellenweise wegen überfließendes Wasser sehr glatt und man muss wegen der Steine hochkonzentriert beim Abstieg sein. Man denkt man macht denselben Fehler nicht zweimal, aber wir folgten auch diesesmal wieder den Schildern und nicht dem GPS-Track nach Grainau und so liefen wir abermals, wie zuvor an Ostern, über eine Wiese und kletterten wenig später über dem noch immer nicht von den Bäumen befreiten Wirtschaftsweg nach Hammersbach hinunter.

 

 

Nach ca. 30 Kilometer darunter neben den zahlreichen extra Kilometer und den fast 1000 zusätzlichen Höhenmeter von dem Aufstieg bis zur Leiter und dem Rindersteig  war die Tour weit anstrengender als eigentlich geplant und wir beide waren froh, als wir uns wieder in unserer Ferienhütte versorgen konnten. Aufgrund der milderen Temperatur fanden wir diese Nacht sogar ein paar Stunden mehr Schlaf.

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