Salomon Zugspitz Ultratrail 2014

Der Tag der Anreise:  Donnerstag 19.06.2014

Konnte ja niemand so recht ahnen, dass das Zugspitz Ultrawochenende so schnell nähergerückt ist…Notdürftig gestern noch alle möglichen unnötigen Sachen zusammengesucht schmiess ich zur frühen Mittagsstund einen überaus großen Seesack Gepäck in das Auto meiner Freundin. Es sollte also endlich losgehen. Grainau. Wettersteingebirge. 100 km. So richtig vorstellen wollte ich mir die Strecke noch nicht, wird schon irgendwie gut gehen. Leichte Anspannung und ungewisse Erwartung war auch im Gesicht meiner Freundin erkennbar, die zusammen mit meinem Bruder mit dem Basetrail die kleinste der von Plan B angebotenen Strecken Rund um das Wettersteingebirge absolvieren wollte. Ohne große Verkehrsaufkommen an diesem Fronleichnams-Feiertag fuhren wir entlang der A3 in Richtung Süden zu meinem Bruder nach Augsburg und steuerten für eine kleine Pause wohl die blödeste Autobahnraststätte an der A3 überhaupt an. Statt Toilette vertraten wir uns die Füße ein wenig auf einem Feld, welches von einer extravaganten Rotmotte bewacht wurde.


Später in Augsburg wurde unser leibliches Wohl von meinem Bruder mit äußerst gelungenen selbstgebackenen Pizzen versorgt, ehe wir seinen Wagen mit Wasserkästen, Proviant, Gepäck und uns beluden. Mein Bruder übernahm die letzten 2 Stunden fahrt nach Grainau. Dort wartete eine optimale Ferienwohung auf uns, die gerade durch ihre optimale Lage in Start- und Friedhofsnähe hervorstach. Als wir ankamen heißte uns völlig überraschend Oliver mit seiner Familie in der angegliederten Gaststube in Grainau willkommen. Eine äußerst freudige Überraschung!
Nachdem wir unsere Zimmer bezogen haben und über die beiden WC’s von denen eines sogar mit einer Badewanne ausgestattet war staunten, machten wir uns auf in Richtung Zugspitzbad um schon einmal zu Erkunden, wo wir morgen unsere Startunterlagen in Empfang nehmen würden. Der kleine Spaziergang wurde beendet, als wir wieder in die Gaststube auf ein gemeinsames Getränk  inklusive Willkommensschnapps traten. Sowohl für meine Freundin als auch für meinen Bruder ging es an diesem Abend früh ins Bett. Ich hingegen hatte noch kurzfristig ein wenig Arbeit nachzuholen und verbrachte die Nacht bis in die frühen morgenstunden vor meinem Laptop, ehe ich ein wenig mürrisch zu meiner Freundin für wenigstens 1-2 Stunden noch ins Bett fiel.

Der Tag der Organisation,  Freitag, 20.06.2014

Müde ging es aus dem Bett hinaus. Meine beiden liebenswerten Begleiter gönnten mir ein wenig mehr Schlaf indem sie ein paar Semmeln in der nahegelegenen Bäckerei für ein kleines Frühstück kauften. Anschließend ging es dann zum Kurhaus in Richtung Zugspitzbad um uns zu Registrieren und unsere Startnummern abzuholen. Die Ausgabe war gut gemacht und da die Registrierung über einen großen Zeitraum offen war, gab es weder Gedrängel noch überfüllte Stellen. Ein wenig enttäuscht war ich nur, dass die Basetrailteilnehmer direkt ein Shirt in Empfang nehmen konnten, ich als Ultratrailer mir meines jedoch erst erlaufen muss.


Auf dem Weg zurück zu unserer Ferienwohnung schlenderten wir noch über die kleine Trail-Messe, wo ich mich mit Stulpen eindeckte und fast noch in Verlegenheit geriet neue, leichtere Stöcke für den Ultra zu kaufen. Dann ging es zurück zur Ferienwohnung.

Daheim in der Wohnung wurden dann mit großen Augen die einzelnen Elemente des Startpaketes inspiziert unter dessen sich auch das kleine obligatorische Trailbuch befand, was man mitnehmen musste. Nun hieß es also Sachen packen. Wenn man einen großen Seesack voller Laufklamotten dabei hat, fällt die Entscheidung was anzuziehen recht schwer. Dennoch gelang es mir nach einiger Zeit den Dropbag mit Kinderschokolade, Ersatzlampe, Schuhe, Socken und Blasenpflaster zu packen, den wir dann in der Nähe der Registrierung wiederabgaben. Mittlerweile war der Tag schon weit fortgeschritten, dennoch machten wir uns nach Hammersbach auf um die ersten Kilometer des Ultratrails noch einmal in Richtung der Höllentalklamm abzugehen. Nass und rutschig war die kleine Wanderung und ein wenig Schade, dass die Zeit nicht mehr gereicht hat um noch einmal einen Abstecher durch die Höllentalklamm zu machen. So kamen wir nach dem Abstieg durch den Märchenwald jedoch pünktlich zur Pasta Party im Musikpavillon an.

Jeder Läufer bekam eine üppige Portion Spaghetti (mit Bolognese für die Fleischfresser), sowie einen Salat und ein Getränk. Die Adleraugen meiner Freundin entdeckten unter der Menge, alte Bekannte von unserem Daadentaler Laufgruppe: Carsten mit seiner Familie und Antje, die uns herzlichst zu sich an ihren Tisch luden. Während des Speisens nahm ich mit Oliver Kontakt auf, um noch die letzten Strategien und Planungen für morgen besprechen zu können. Seine Familie war mittlerweile nämlich auch im Musikpavillon eingetroffen und hat sich einen Platz in der ersten Reihe gesichert. Nachdem wir uns mit Kuchen eingedeckt zu ihnen gesellten, lernten wir Jürgen kennen. Der sympathische Triathlet hatte wohl seinen ersten 100km Lauf vor sich und sich dabei ein sehr ambitioniertes Zeitziel gesteckt. Für mich und Oliver war das interne Ziel unter 20 Stunden zu bleiben. Mein etwas runderer Bauch und das etwas vernachlässigte Training von mir in den letzten Monaten, was sich auch im Gewicht widerspiegelte, ließen es mir zwar utopisch anschauen, aber Ziele soll man haben. Wir hörten den Peitschenschlägen, den Bürgermeister un den Renninformationen zu und verabredeten uns für 6:30 Uhr am nächsten Tag um gemeinsam an den Start gehen zu können.

Zu Hause musste ich mich dann erstmal noch entscheiden ob ich in Kurz, lang oder dreiviertel Laufen würde, entschied mich letztendlich jedoch als Kompromiss für Dreiviertel…Gott Sei dank hatten wir in der Mittagszeit schon unsere Laufrucksäcke gepackt.

 

Der Tag des Rennens, Samstag, 21.06.2014

Pünktlich um halb sieben waren wir am vereinbarten Ort auf dem Messegelände um Oliver und seine Familie in Empfang zu nehmen.

Nach einem “guten Morgen” ging es dann auch schon in den Musikpavillon, wo ich davon ausging, dass mich noch ein kleines Frühstück erwarten würde. Dabei fiel mir auf, dass ich sowohl am Vorvorabend als auch am Vorabend zu wenig getrunken habe und somit ein latentes Durstgefühl spürte. Aber für solche Dinge blieb keine Zeit mehr: Wir gingen sofort durch die Kontrollstellen, an denen unsere Pflichtausrüstung kontrolliert wurde und dann waren auch schon die niederen ernährungstechnicchen Bedürfnisse erst einmal vergessen. an den Banden außerhalb des Startes wartetenden unsere Familien und kurz später gesellte sich sogar noch Jürgen dazu, der zumindest mich mit seiner penibel vorbereiteten und immer Griffbereiten Ausdrucke der Verpflegungspunkte und des Höhenprofils verblüffte. Das ist gute Vorbereitung. Ich dachte mir, dass ich immerhin schonmal in diesem Jahr fast 90% der Strecke abgewandert bin und somit große Teile der Strapazen kennen würde, was doch immerhin auch ein wenig als Vorbereitung gelten muss.

Nach ein paar Witzeleien verkrochen ich und Oliver uns ein paar Meter wieder nach hinten im Teilnehmerfeld und wir warteten auf den Startschuss, der mit Musik den neutralisierten Start des Zugspitz Ultratrails 2014 einleitete. Aus Grainau ging es in angenehmen Lauftempo in Richtung Hammersbach. Die ersten Steigungen wurden gelaufen, meine Gedanken daran, dass ich nicht genug getrunken habe kamen wieder und außerdem entpuppte es sich als schlechte Idee mit Langarmtrikot an dieser frühen Morgenstunde loszulaufen. Kurz vor der Steigung in Richtung Höllentalklamm wechselte ich so auch prompt das Trikot und folgte Oliver in einer Polonäse. Der Tag begann auf diesen niederen Höhen Nebelig und noch leicht rutschig vom Vortag, aber wir waren im vorderen Feld gut dabei und standen somit zumindest in keinem Trailstau, der sich manchmal bei einer so hohen Teilnehmerzahl auf engeren Wegen und Pfaden zwangsläufig ergibt.


Es ging recht unproblematisch bis zur ersten Verpflegungsstation am Eibsee, den wir direkt links liegen ließen. Begleitet wurde ich jedoch von Durstgefühl und auch latenten Kopfschmerzen. Ich merkte den akuten Schlafmangel der letzten Wochen und meinen doch eher problematischen Trainingszustand. Beim VP und der darauf folgenden Steigung wartete Olivers Familie auf uns und feuerte uns kräftig an. Das war wirklich spitze!


Allerdings merkte ich  schon wenig später wieder, dass ich Olivers Tempo am heutigen Tag vermutlich nicht lange mehr Folgen kann. Es kamen nun die Skipisten hoch in Richtung Hohes Egg, die ich im April noch mit meiner Freundin durch den Schnee hochgestampft bin. Ich dachte damals durch den Schnee wäre der Aufstieg anstrengend gewesen, aber heute war es noch viel anstrengender – mein Puls war zu hoch, meine Atmung permament zu schnell. In den dortigen Serpentinen, und somit nach 15-20 km  konnte ich dann Oliver nicht mehr folgen, als er ein Überholmanöver am Berg einleitete. Ich winkte ihm ein paar Minuten später von weiter unten zu, dass wir uns später oder im Ziel wiedersehen würden. Ein wenig schade, aber so konnte ich mir am Berg eine kleine Verschnaufpause gönnen um zu Atem zu kommen. Mit den immernoch anhaltenden leichten Kopfschmerzen war nun meine Priorität meinen eigenen Rythmus zu finden um das Rennen immerhin beenden zu können. Auf diesem Weg zur deutsch-österreichischen  Grenze, die ungefähr auch den ersten Gipfel des ZUTs markiert, ertappte ich mich dabei, dass ich immer mal wieder ein paar Päuschen am Berg einlegte, in Folge dessen mich viele Läufer überholten.
An diesem Tag verlief allerdings auch der erste nennenswerte Downhill zur Gamsalm, die die zweite Verpflegungsstation übernahm, alles andere als hervorragend. Ich hab bis und an diesem Verpflegungspunkt ca. 2.5 Liter Wasser getrunken, was mir auf die bisher zurückgelegte Strecke und Strapaze unheimlich viel erschien. Aber ich wollte unbedingt wieder mit vollen Trinkreserven aufbrechen. Von der Gamsalm ging es in Richtung Ehrwald. Dort musste ich mir bildlich an den Kopf fassen, als wir in Richtung Ehrwalder Alm über einen alten Bekannten aufstiegen: Der doch extrem steile Wiesensteig. Vor ein paar Wochen wählte ich mit meinem Bruder noch den Kloppen- und Wiesensteig als Aufstieg auf die offizielle Strecke des ZUT und witzelte darüber, dass dieser viel zu steil für eine solche Veranstaltung sei. Nun befand ich mich wider Erwarten abermals darauf und “genoss” den sehr direkten und 100-200 Hm beinhaltenden Aufstieg auf ebeneres Gelände. Moralisch eigentlich schon am Ende. Das nächste Stück bis zur Ehrwalder Alm verläuft jedoch relativ locker. Ich lernte Jean-Charles Perrin kennen und kurz vor der Ehrwalder Alm erwartete uns wieder Olivers Frau und feuerte uns an, obwohl Oliver selbst wohl zu dem Zeitpunkt schon eine halbe Stunde Vorsprung hatte.

Aufstieg führte nun durch schönstes Sommerwetter und diesesmal völlig schneelos hoch zu den Hochfelder Joch und auch auf diesem Aufstieg hielt ich einige male Inne um die schöne Aussicht zu genießen (und Atem zu finden).  Dann kam die nächste Demoralisierung. Am Hochfelder Joch sah man eine Menschenkette den Kam hochlaufen. Diesen Kamm lief ich ebenfalls vor ein paar Wochen mit meinem Bruder hoch, da der umführende Weg verschneit war. Damals zeigte der GPS Track eindeutig, dass der Weg daran vorbeigehen würde. Der steile Kamm hat sich so bei mir im Gedächtnis als äußerst anstrengend festgebrannt. Aber es hilft alles nichts. Hoch gings und hinten über milde Wiese dann wieder runter.

Der Rest des Weges verlief deutlich weniger anstrengend als damals querfeldein durch die Schneefelder und langsam waren auch die Kopfschmerzen völlig verschwunden und in meinem Gesicht machte sich ein lächeln breit. Von hier kannte ich fast die komplette Strecke und die Erinnerung war noch frisch. Es ging unproblematisch, wenn auch etwas langsam bis zum Scharnitzjoch. Eine detailierte Streckenbeschreibung findet man dabei in einem meiner alten Blogeinträge. Oben hielt ich Inne um meinem Bruder ein Bild von der nun passierbaren “Nordflanke” zu machen, die bei uns damals noch völlig im Schnee lag. Ein Blick auf das Handy zeigte jedoch eine Nachricht meiner Freundin: beide wären völlig stolz, dass sie den Basetrail erfolgreich und in top Zeiten absolviert haben. Nun musste als nur noch ich die letzten 50 km des Rennens zurücklegen.

Der Abstieg von Scharnitzjoch bis zur Hubertushütte zieht sich ewig und dabei wurde mir auf dem letzten Stück klar, dass ich mit meinem Bruder damals noch eine kleine Steigung ausgelassen habe und auf direkten Wege in der Dunkelheit zur Hütte gegangen bin – Mehr unbekannte Strecke als gedacht. Auf dem letzten Teil des Abstiegs stoß ich auf den jugendlichen Tom, der Probleme mit dem Bein hatte und bereits ein wenig humpelte.  Am Hubertushof bestätigten wir den anwesenden Medizinern, dass wir jedoch weiterlaufen könnten und wollen würden. Wir huschten so vorbei an den in Notdecken gewickelten Gestalten zu unseren Dropbag. Tom und ich beschlossen das nun folgende langweilige Stück bis Mittenwald gemeinsam zu Bewältigen und nach einiger Pausenzeit, in der ich jedoch keinen Schuh- oder Sockenwechsel vollzog, wohl jedoch die viel zu heißen Stulpen weglegte, ging es dann auf dem Gerade nund langweiligen Teil der Strecke weiter. Leider konnte Tom trotz Ermutigung und gutem Zureden sowie der ein oder anderen Ablenktaktik immer nur Schübeweise und nur wenige hundert Meter  am Stück zum Laufen motiviert werden. Ich meine bei Schanz wäre es gewesen, wo mich ganz unverhofft Olivers Frau noch einmal zusammen mit Tom zum Laufen und weitermachen motivierte. Als es etwas hügeliger an der Leutascher Geisterklamm wurde, meinte Tom ich solle ruhig schon einmal vor. Das tat ich dann auch und passierte schon bald den Ortseingang von Mittenwald, wo ich eine Stimme im Hintergrund vernahm. Meine Freundin hat mich gesehen und entdeckt!
Da ich gerade einen recht guten Laufrythmus gefunden habe wollte ich jedoch noch nicht anhalten sondern bat sie mit meinem Bruder  am naheliegenden Verpflegungspunkt zu warten. Sie fuhren eine Straße weiter, parkten ihr Auto und liefen so ein Stück mit mir berghoch bis zum Verpflegungspunkt Mittenwald. Dort fiel ich meiner Freundin erstmal in die Arme, gratulierte den Beiden und lies mir von meinem Bruder Kalorien und Getränke vom VP vorbeikellnern. Ab hier ist es also nur noch ein Basetrail. Ich fühlte mich lauftechnisch noch gut. Die Erschöpfung war auch nicht so schlimm. Allerdings hatte ich schon länger das Gefühl mal austreten zu müssen, was ich aber bisher noch nicht tat. Man soll nicht lange sitzenbleiben nach einer solchen Strecke, also verabschiedete ich mich mit einem schwitzigen Kuss schon viel zu schnell von meiner strahlenden Freundin und machte mich weiter auf den Weg.

Überrascht war ich, dass das Stück ab Mittenwald für die Ultratrailer nicht an den Wasserfällen vorbeigeht. Das sparte zwar ein paar Höhenmeter, allerdings bleibt somit den Basetrailern ein wunderschönes Stück Strecke vorenthalten. Am Verpflegungspunkt Ferchensee traf ich auf Toms Eltern, denen ich mitteilte, dass Tom zwar nicht aufgeben wollte, aber wegen seiner Verletzung später als ich eintrudelt. Es war dämmrig und Zeit die Stirnlampe auszupacken. ca. 30 km waren es noch bis zum Ende und ich war mir nun sicher es durchzuhalten. Ein paar Kilometer später, bei der nächsten Steigung, versuchte ich dann tatsächlich mal auszutreten und ein wenig des am Tag aufgenommenen Wassers wieder abzulassen. Ich erschreckt ein wenig, dass das alles nicht mehr so funktionierte, wie es sollte. Es waren eher die Schmerzen mal dringend zu müssen, die sich breit machten, ohne wirklich ein Resultat aufzuzeigen. Nachdem ich einige Leute mit ihren Stirnlampen so habe an mir vorbeiziehen lassen, machte ich mich wieder auf aus den Büschen. Diesesmal jedoch gehend, da mich die Schmerzen immernoch begleiteten. Ich nahm einen Schluck aus meiner Trinkflasche und…musste sofort danach austreten. Im Schein der Stirnlampe merkte ich, dass mein Urin bräunlich/rötlich dunkel verfärbt war und dachte mir nur “Scheiße, was jetzt?!”. Aufgeben wollte ich nicht, dafür war der Schmerz nicht stark genug – Laufen ging wegen den Schmerzen und den damit verbundenen Druck auf die Blase jedoch nicht mehr, obwohl meine Beine noch frisch waren. Den dunkel verfärbten Urin blendete ich aus: Wer weiß, ob im Schein der Stirnlampe er nur so wirkte? Durst und Hunger hatte ich dennoch zusätzlich. Ich nippte also nochmal an meiner Flasche…und musste sofort wieder an den Wegrand. Peinlich berührt ließ ich so viele Lampenträger an mir vorbeiziehen, damit ich in Ruhe alle 1-2 Minuten austreten konnte. Ich schleppte mich so ins Reintal, wo ich zu meinem Entsetzen feststellte, dass der VP nach oben verlegt wurde. Im Reintal traf ich auf Tom, der mich während des Austretens wohl wieder überholt hatte. Er sah mittlerweile übel aus und brach an dieser Stelle das Rennen ab, ehe es bergauf ging. Eine gute Entscheidung von ihm, ich selbst hingegen kämpfte mich nach oben. Wie gerne hätte ich am Folgenden VP’s nun etwas getrunken, eine warme Suppe zu mir genommen oder sonst etwas gegessen. Aber ich hätte es keine Minute in mir behalten und war schon durch meine Nipperei an der Trinkflasche mehr am Wegerand als auf dem Weg. Keine krassen Schmerzen, Beine waren noch fit. Ich beschloss also abermals weiterzumachen. Es ging nur noch in Richtung Alpspitze zum Osterfelder Kopf. An der vorletzten Verpfleungsstellte Kreuzeck. ist nochmal ein Medizinzelt aufgebaut. Ohne Einkehrpause konzentrierte ich mich und ging fröhlich durch das Zelt hindurch, welches gut gefüllt war mit anderen Läufern, die wohl so kurz vor Schluß aufgeben mussten. Ich wollte unbedingt finishen. Dass ich mit meinem Blasenproblem wenig später wieder am Wegrand ein Päuschen einlegen musste, erwähne ich hier schon gar nicht mehr. Ich kämpfte mich den Osterfelder hoch, ab da geht es defakto nur noch bergab. Beim Abstieg ging die Sonne im Wettersteingebirge auf. Laufen konnte ich immernoch nicht – Das Zusammenspiel zwischen Durst und dem Blasenprolem bescherrte mir zudem alle paar Minuten eine Pause –  zusätzlich rutschte ich nun beim Abstieg auf den klammen Fels einmal aus, ohne dass mir jedoch etwas passierte. Wieder am Verpflegungspunkt Kreuzeck angekommen, war man dort mittlerweile mit dem Abbau beschäftigt. Ich versuchte meinen Bruder zu kontaktieren, dass ich bald unten bin und mir nur noch der Jägersteig fehlen würde, mich jedoch nur langsam bewegen könnte. Langsam hatte ich allerdings von “langsam” die Schnauze voll. Ich packte die Beine in die Hände und lief den Jägersteig runter. Dabei überholte ich immerhin noch eine ganze Meute, denen ich wegen meines Blasenproblemes auf den letzten Kilometern den Vortritt gab. Der äußerst glatte letzte Teil des Abstiegs unmittelbar bei Hammersbach ist ein unvergessenes Ding für sich. Auf den letzten zwei Kilometer Asphalt nach Grainau stoß ich noch auf einen Mitstreiter, der sich auf dem letzten äußerst gefährlichen Stück noch einen seiner Stöcke zerstört hat. Beim Zieleinlauf ließ ich ihn den Vortritt und folgte dann wenig später und vor Glück den Tränen nahe mit einer Gesamtzeit von 23h und 45 Minuten überglücklich im Musikpavillon. Mit einem so schnellen Abstieg konnte man nicht rechnen und so wartete ich ein paar Minuten, bis ich auch von Freundin und Bruder in Empfang genommen wurde.

Ich danke euch, dass ihr alle dabei ward! Ohne eure Unterstützung hätte ich es niemals geschafft.

 

Wieder an der Ferienwohnung checkten wir aus, ich nahm währendessen ein Bad, meine Blasen am Fuß wurden inspiziert und wir fuhren nach Augsburg ein Eis essen. Dann ging es wieder zurück nach Hause.

Daheim wurde das Wasserlassenproblem der letzten 30 km von meinem Lauf vom Arzt untersucht: die Niere und die inneren Organe sind alle im besten Zustand. Ich denke ich habe mit der Reduktion von Laufen zum Gehen alles richtig gemacht. Ich hatte niemals das Gefühl, dass ich ernsthaft in Erwägung ziehe wegen des Problems abzubrechen und empfand ein Weiterlaufen als vertretbar. Dennoch: Achtet auf die Warnsignale eures Körpers, auch wenn es uns Läufern manchmal schwer fällt.


(die letzten 2 Stunden sind wegen leeren Akkus nicht mehr mit aufgezeichnet.)

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