Ein Sommerurlaub. Dritter Tag. Tegelberg.

Mittwoch, 27.08.2014

Am nächsten morgen erhielten wir beim Blick aus dem Zelt zwar einen wunderbaren Blick über den Forggensee, hatten dafür aber so gut wie keinen Schlaf gefunden. Einen Tradeoff, den man mal eingehen kann (muss).
Etwas griesgrämmig streckten wir uns und meine Freundin machte sich als eine der ersten Aktionen des Tages auf dem Weg zum Eingangsbereich, wo der erwerb von frischen Brötchen und einem Gläschen Nutella für bessere Laune sorgen sollte. Aufgrund von leichtem Regen bereiteten wir uns dann die morgendliche Tasse Tee im Vorzelt zu.

Nach einem ausgiebigen Frühstück ließ der kurze Schauer auch wieder nach und es ging unter die Dusche und danach an den Zeltabbau. Das Wetter schien einigermaßen stabil zu bleiben und daher stand heute als Tour der Tegelberg auf dem Programm.

Nach meinen oberflächlichen Recherchen sollte sich dort mit dem Gelben Wand Klettersteig ein einfacher Kletter-Lehrpfad befinden, der theoretisch auch ohne Klettersteigset machbar sein sollte. Wir machten uns also auf den Weg zum großen Wanderparkplatz an der Tegelberg Talstation. An einer Informationstafel war ausgeschildert, dass der Steig geöffnet ist, also die Rucksäcke aufgezogen und uns an den gut ausgeschilderten Weg gemacht. Der Weg führt an der Sommerrodelbahn entlang und ist anfangs ein langweiliger, steiler asphaltierten Wirtschaftsweg dessen Verlauf man für ca. 30 Minuten folgt. Man folgt der Beschilderung und verlässt den Wirtschaftsweg nach rechts.

Hier fangen dann auch die ersten richtigen Informations- und Hinweisschilder an, wie man sich auf einem Klettersteig zu verhalten hat. Man quert ein zur Zeit recht trockenes und kleines Flußbeet und gerät auf einen Wurzelsteig. Das Schild am Baum, dass wir uns nun auf dem Gelben Wand Steig befinden, nehmen wir noch ein wenig humoristisch und denken uns, dass uns etwa eine ähnlich einfache Kletterei wie gestern am Säuling erwartet, die nun, mit dem von Wurzeln übersähten Steig und der Bachüberquerung schon anfängt.

 

Auf dem Gelbe Wand Steig

Guter Dinge wandern wir den hübschen Steig aufwärts an weiteren Informationstafeln vorbei und begegnen mit der Überquerung einer Geröllrinne an das erste nennenswertere Hindernis. Diese stellt aber keinerlei Problem dar, was uns beide fröhlich erwartungsvoll macht, dass der als sehr einfach ausgeschriebene Klettersteig ähnlich weitergehen wird. Wir wandern an einer weiteren Informationstafel mit der Nummer 4 (??) weiter und werden ein wenig misstrauisch, als uns nach einigen weiteren Metern ein Schild begrüßte, dass ab hier das Anlegen eines Klettersteigsets sinnvoll wäre.

Wir blicken nach vorne und sehen die Tegelbergwand vor uns. Da soll es also weitergehen? Wir entdecken einen Vater mit seinem Kind im Hang, die sich gut gesichert den Weg nach oben bahnen. Wir gehen noch ein kleines Stück um uns die Sache vor Ort anzuschauen und erblicken ein Stahlseil, welches gegenüber einer für uns scheinbar unzuüberwindbaren Einstiegspassage liegt. Ein wenig verängstigt fragen wir uns, ob dass denn wirklich noch der einfache Gelbe Wand Steig sein kann. Wir wissen, dass die anderen beiden Klettersteige, die beide viel schwerer sein sollten, vom Gelbe Wand Steig abgehen und hatten keinerlei Interesse auf den falschen Klettersteig zu geraten.

Umkehr vor der Kletterpassage?!

Aber die Einstiegsstelle hier am oberen Teil der Geröllrinne sieht viel zu schwer und exponiert aus, als dass wir uns auf einen einfachen Klettersteig befinden würden. Um auf Nummer sicher zu gehen, dass wir auf dem richtigen Weg sind, beschließen wir noch einmal umzudrehen und schreiten den Wurzelsteig einige Meter wieder hinunter. Nach einiger Zeit sind wir sicher, dass wir keine Abzweigung übersehen haben und wir müssen uns entscheiden: gehen wir nach unten zur Talstation bzw. besteigen wir den Tegelberg über den Normalweg oder gehen wir noch einmal zur Einstiegsstelle und probieren unser Glück? Unsere Bedenken umzudrehen werden verstärkt, da wir keine Klettersteigsets dabei haben. Allerdings wäre dafür an der Einstiegsstelle mangels am Berg angebrachte Sicherungen ohnehin keine Verwendung gewesen. Wir entschließen uns dazu noch einmal zum Einstieg zurückzugehen.

Der Vater mit seinem Kind sind mittlerweile ein gutes Stück an der Wand weiter hochgekommen und wir sehen sie auf einem gehbaren Stück an der Wand spazierengehen. Ein Blick auf die Einstiegsstelle lässt uns wieder verzweifeln. Auch wenn wir sie überwinden, wie geht es dann weiter? Die Stahlseilpassage auf der anderen Seite sieht nicht viel schlimmer aus als am Säuling. Wird schon irgendwie machbar sein. Aber was kommt danach? Immerhin ist es trocken. Ich suche mir einen Weg durch die Einstiegsstelle und probiere direkt aus, ob man aus dieser im Notfall auch wieder rausklettern könnte, während meine Freundin noch mit dem Einstieg wartet. Es stellt sich raus, dass die Einstiegsstelle härter aussieht als sie ist und wenn man weiß wie, tatsächlich unproblematisch ist.

Von Stahlseilen und Abgründen

Was nun kommt ist allerdings unerwartet für uns. Der Klettersteig ist zwar tatsächlich nicht schwer, aber man sollte den Begriff Wand-Steig ernst nehmen: Man quert ein schon recht stark abfälliges Gelände entlang der Wand. Viele der Steine über die man sich herhangelt sind zwar nachbearbeitet, damit man bessere Tritte hat, während man sich am Seil festhält. Aber alleine der Tiefblick an der Wand macht das Klettern für Ungeübte wie uns zu einer spannenden Herausforderung. Das wir beide ohne Klettersteigset unterwegs waren tat sein übriges dazu und ich empfehle jedem Anfänger auf diesem Weg eines mitzunehmen!

Meine Freundin kletterte tapfer vor und als das nächste Informationsschild was wir sahen zudem ein paar Punkte in der laufenden Nummerierung ausgelassen hatte, waren wir desweiteren besorgt darüber, dass wir etwa doch nicht auf dem einfachen Gelbe Wand Steig sind, sondern doch bereits auf einem der beiden schwierigeren Klettersteige. Wir kletterten So durch die Wand und als wir die ersten Kehrungen hatten, kamen von unten Wolken an die Wand, die zu alledem noch leichten Regen brachten. Zwar wurde damit der Tiefblick ein wenig unterbunden (jedoch auch der Panoramablick), aber nasse Steine sind rutschige Steine.

Es war ungefähr das, was wir am wenigsten gebraucht haben: Wir befanden uns also auf unserem ersten nennenswerten Klettersteig an einer relativ steilen Wand, ohne Klettersteigset, ohne zu wissen, ob wir auf dem richtigen Klettersteig sind und das alles noch bei (leichtem) Regen. Wenn ihr mich fragt, konnte es also kaum besser für uns laufen. Doch nach einiger Zeit des Kletterns endlich ein Lichtblick: Eine Leiter ging nach links ab zum Tegelbergklettersteig. Wir befanden uns also tatsächlich auf dem Gelbe Wand Steig. Immerhin mussten wir uns so keine Gedanken mehr darüber machen, dass die Kletterei noch wesentlich schwieriger wird.
Weiter ging es und auch der mittlerweile ein wenig stärker werdende Regen konnte uns nicht mehr aufhalten. Ein Higlight des Gelbe Wand Steiges ist sicherlich die Seilbrücke, welche kurz nach der möglichen Abzweigung zum Tegelbergsteig kommt. Diese führt über eine stark gefällige Abwasserrinne. Ein Klettersteigset ist hier obligatorisch und aufgrund des ohnehin schon aufregenden Tiefblickes an der abfälligen Wand und der damit verbundenen latenten Höhenangst, die wir die ganze Zeit beim Klettern hatten, sind wir nichtmals sicher, ob wir sogar mit Klettersteigset hinüber gegangen wären. Das mussten wir aber auch nicht. Unterhalb der Seilbrücke führt der versicherte Weg weiter, so dass man diese sicherlich aufregende Stelle gut umgehen kann.

Später, als meine Freundin dann in einer Einbuchtung in der Wand ein typisches Gipfelbuch entdeckte war die Freude groß. Ein Gipfelbuch – irgendwie müssen wir es ja dann bald geschafft haben. Wir machen eine kleine Pause, schreiben einen Satz in das Buch und klettern weiter. Das Buch macht seinem Namen als Gipfel-Buch jedoch keine Ehre. Es folgt noch ein ganzes Stück Klettersteig durch den mysteriösen von Regen begleiteten Nebel.

Wieder breiten Boden unter den Füßen

Doch irgendwann ist auch das Abenteuer geschafft. Wir erreichen ein Schild was auf den “Gelben Wand Steig” deutet und sind nun sicher heil oben anzukommen. Unser erster nennenswerter Klettersteig ist geschafft. Wir folgen dem breiten Wanderweg nun noch ein wenig hoch bis zum Tegelberghaus und der Abflugplattform der Gleitschirme. Von Panoramasicht ist an diesem Tag nicht zu denken. Ganz alleine sind wir jedoch auch nicht am Berg. Wir gehen an der Bergstation der Tegelbergbahn vorbei um uns nach den Preisen zu erkunden, die eine Talfahrt kosten würde.

Dann beschließen wir statt den Normalweg oder den Weg nach Schloß Neuschwanstein hinunterzugehen mit der Bahn später hinabzufahren: es war schon zu spät für einen Abstieg, da wir nachher noch nach Ehrwald weiterfahren wollten und uns dort nach einer Unterkunft noch umsehen mussten.

Also ging es in das Tegelberghaus. Das war gut gefüllt mit Wanderen. Wir zählten unser letztes Geld zusammen was wir nicht für die Talfahrt benötigten und konnte uns gerade noch ein Stück trockenen Kuchen und einen Kakao leisten. Der Wirt teilte uns mit, dass es den Kuchen nicht mehr gab und bot uns netterweise ein Stück warmen Apfelstrudel mit Sahne zum gleichen Preis an. Ein Angebot, was wir gerne annahmen. Der Apfelstrudel war göttlich, der Kakao genau das richtige an diesem kalten verregneten Gipfeltag. Wir wärmten uns noch eine Weile und machten uns dann wieder auf dem Weg zur Bergstation um die nächste Gondel bergab zu erwischen. Die Ticketausgabe war zwar schon geschlossen, aber wir konnten an der Talstation nachlösen. So kamen wir in Nullkommanix wieder nach einem äußerst aufregenden Tag hinunter zu unserem Auto.

Auf nach Ehrwald

Vom Parkplatz machten wir uns auf nach Ehrwald. Morgen sollte es schon früh losgehen. Der Wetterbericht ließ nämlich verlauten, dass morgen der einzige Tag sei, wo anstatt Regen und Schnee lediglich Nebel vorhergesagt wird. Wenn wir an einem Tag die Zugspitze lohnenswert besteigen können, dann wird es also morgen sein.
In Ehrwald überlegten wir, ob wir noch einmal unser Zelt aufschlagen. Allerdings war ein wenig Komfort und eine Dusche ja auch ganz schön. Immerhin sind wir ja im Urlaub. Wir fuhren in Richtung der Talstation der Ehrwalder Almbahn, von der wir morgen früh aufbrechen wollten. Auf dem Weg dorthin schauten einige Pensionen und Ferienwohnungen an, die eventuell in Frage kommen würden. Danach fuhren wir wieder in Richtung der Kirche, meine Freundin unternahm zwei Versuche um zu klingeln, ob eine Wohnung frei wäre. Leider war niemand da, jedoch wurde eine Telefonnummer hinterlegt. Wir riefen an und beschloßen, dass, wenn wir in einer halben Stunde nichts haben, wir doch das Zelt aufschlagen. Ein paar Minuten später erhielten wir einen Rückruf. Ein Zimmer mit Frühstück nahe der Talstation sei frei. Wir nahmen dankend an und fuhren zur Pension und bezogen unser Zimmer, welches wir für zwei Nächte mieteten. Wir teilten dem Gastgeber mit, dass wir am nächsten Tag schon früh zur Zugspitze aufbrechen würden und daher kein Frühstück benötigen würden. Dann machten wir uns auf den Weg zu einer Pizzeria, um uns für den nächsten Tag zu stärken. Als wir in unserem Zimmer ankamen, hieß es nur noch den Rucksack für morgen packen und Sachen zurechtlegen, damit wir früh aufbrechen können. Der Wecker sollte gegen 4:30 Uhr klingeln.

Insgesamt ein wunderschöner und sehr abenteuerlicher Tag. Nach unserer ersten gemeinsamen Gipfelbesteigung nun also auch noch unser erster gemeinsamer richtiger Klettersteig und das leichtsinnig ohne Klettersteigset und während milder Regen einsetzte. Dafür war die Wand uns und zum Tegelberg werden wir sicher nochmal zurückkommen. Dann jedoch sicherer ausgestattet.

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