Ein Sommerurlaub. Vierter Tag. Zugspitze.

Donnerstag, 28.08.2014

In der Reihe: Jeden Tag ein neues Highlight, stand heute die Zugspitze über Ehrwalder Alm, Gatterl, Knorrhütte und Sonnalpin auf dem Programm. Also kurz Wasser ins Gesicht um wach zu werden und schon packten wir zu früher Morgenstund unsere sieben Sachen zusammen und schlichen uns aus der Pension. Wir waren an der Talstation der Ehrwalder Almbahn gegen 5:30 Uhr und damit zwar fast eine halbe Stunde später als geplant, aber kein Grund sich Sorgen zu machen, dass wir uns irgendwie sehr beeilen müssen um nachher nicht mehr mit einer Talbahn hinabfahren zu können. Ich kannte ja den wunderschönen ersten Teil der Strecke von der Ehrwalder Alm bis zum Felderjöchl vom Zugspitz Ultratrail zwischen dem Wetterteingebirge und dem Mieminger Gebirge. Anstatt den äußerst steilen Aufstieg entlang des Klopp- und Wiesensteigs wählten wir jedoch diesesmal den Standardweg von der Talstation der Ehrwalder Almbahn bis zur Ehrwalder Alm. Ich hatte zwar eine Stirnlampe dabei und gar aufgesetzt, aber nun um kurz vor 6 war es bereits so hell, dass man eine  solche nicht benötigt hätte.

 

Start an der Talstation der Ehrwalder Almbahn

Wir stiegen den Weg langsam neben noch dösenden Kühen auf und spürten noch ein wenig Muskelkater von den beiden letzten Tagen in den Beinen. Mit uns ging auch die Sonne im Wettersteingebirge auf und erleuchtete die Gipfel glühend rot. Es versprach ein weitaus besserer Tag zu werden als angekündigt. An der Ehrwalder Alm war es dann tatsächlich schon morgen und die Sonne ist fast vollständig aufgegangen.

Wir machten einen kleinen Abstecher zur Pestkapelle und begegneten zwei Jägern, die zusammen mit ihrem Dackel wohl eine Gams erlegt haben und nun provisorisch Ausnahmen.

 

Über den Max-Klotz-Steig zum Felderer Joch

Dann ging es den Max-Klotz-Steig entlang und an der Hochfelder Alm vorbei auf äußerst matschigem Weg in Richtung Felderer Joch. Dabei liefen wir der Sonne entgegen, die es sich gerade über den Gipfeln gemütlich machen wollte. An der Hochfelder Alm begrüßte uns ein junges Kalb und sprang fröhlich und aufgeregt am Zaun entlang um uns ein wenig zu folgen. Wären ausgewachsene Kühe noch so aktiv, ich glaube ich hätte Angst vor ihnen.

Der Weg zum Felderer Joch ist zäh: Es geht stetig bergauf zu den Hochfelder Joch. Dabei ging es heute über viel Matsch, was das vorankommen unangenehm rutschig und das Routenfinden entlang des Wanderweges stets erfinderisch machte. Zum Glück hab ich eine mutige Freundin, die dann auch gerne mal vorgeht und mir bescheid gibt, dass der Weg sicher ist, so kamen wir beide noch recht sauber am kleinen Aussichtspunkt an den Hochfeldern an an, wo wir ein wenig Inne hielten und dem Wolkenmeer beim Wandern zuschauten. Das Wetterstein hat derweil seinen frühmorgendlichen roten Morgenmantel abgeworfen und strahlte vereinzelnd schon hellweiß in seinem Sommerkleid.

 

Es folgt ein relativ gerades Stück zum Felderer Joch. Ich erinnere mich noch, dass beim Ultratrail eines der “Alpinen Gefahren” Schilder aufgestellt wurde, wo ein überholen untersagt war. Am heutigen Tag war die kurze Stelle nicht nur sehr gefällig, sondern auch vom Matsch zusätzlich rutschig unterlegt, gut, dass der Weg vor zwei Monaten noch besser Beschaffen war.

 

Über das Gatterl zur Knorrhütte

Ab dem Felderer Joch beginnt dann auch ein neuer Weg für mich: der Weg über das Gatterl. Der Weg bis zum Gatterl war stellenweise vom Matsch her die unangenehmste Passage ist jedoch an sich völlig unproblematisch. Endgegenkommende Hüttenwanderer warnten wir vor dem Matsch, dem man an einer Stelle geschickt umgehen konnte. Am Gatterl passieren wir dann die Staatsgrenze von Österreich nach Deutschland und erhaschen einen ersten Blick auf die Zugspitze. Dabei kommt Gewissheit auf, dass wir es schaffen. Die Zugspitze scheint zum Greifen nahe.

Der Weg führt ohne große Höhenunterschiede vom Gatterl über den Plattsteig zur Knorrhütte. Dabei hat man zum einen die Geröllfelder um das Zugspitzplatt zu seiner linken, zum anderen einen Blick auf das atemberaubende Reintal zu seiner rechten. Wunderschön. Uns begegnen immer mehr Hüttentouristen mit ihren Rucksäcken und wir sind fast ein wenig neidig nicht dazuzugehören.

In der Nähe der Knorrhütte grasieren ein paar von Deutschlands höchsten Schafen, die uns jedoch kaum Beachtung schenken und lieber ihr um die Felsen verteiltes Frühstücksgras vertilgen. Der Blick nach rechts in das Reintal und nach links in die Geröllfelder des Zugspitzplatts ist dabei immer wieder überwältigend.

 

Von der Knorrhütte zum Sonnalpin

Als wir die Knorrhütte erreichen, schenken wir dieser keinerlei Aufmerksamkeit und gehen direkt weiter in Richtung Sonnalpin. Dort sollte unsere nächste kleine Pause sein. Waren wir in unserer Richtung von Ehrwald kommend noch alleine unterwegs, so füllte sich nun der Wanderweg in Richtung der Zugspitze. Das gute Wetter wollten wohl einige Ausnutzen. Der Anstieg von der Knorrhütte bis zur Sonnalpin ist auch ohne Schnee relativ anstrengend und zieht sich doch länger als man denkt.

Dabei wird der Anstieg allerdings noch in die Länge gezogen, weil man die Umgebung der Zugspitze einfach genießen muß und immer wieder innehält. Besonders schön ist dabei immer wieder, dass man sehen kann, wo man herkam und wie weit man doch schon wieder gegangen ist. Zu guter letzt kam auch die Sonne nun komplett raus und wir hatten besseres Wetter als wir es erwarten konnten. In der ferne hörte man einige Sprengungen, die wie Donnerschläge durch das Rheintal ihr Echo abgaben. Hier oben möchte ich kein Gewitter erleben.

Als wir Sonnalpin erreichten erlitten wir einen ersten Touristenschock. Unsere Zwischenstation ist gut gefüllt. Wir machten einen kleinen Rundweg um den Minispix und ruhten uns dann noch kurz in den Liegestühlen am Sonnalpin aus.

 

Von Sonnalpin bis zur Zugspitze

Um 12 Uhr ging es dann weiter. Wie verließen unsere Sonnenliegen und machten uns auf zu den letzten ca. 400 Höhenmeter von Sonnalpin zur Zugspitze. Unbekanntes Terrain wieder. Vor einigen Monaten musste ich mit meinem Bruder an den Lawinengefährdeten Hang an der Sonnalpin noch aufgeben. Heute hatten wir bestes Wetter. Wir gingen also zum Geröllfeld, wo gerade ein Trailrunner unfassbar schnell den steilen Hang hinunterlief.

Für uns ging es am Geröllfeld hingegen nicht so schnell voran. Äußerst steil und äußerst geröllig ist es bergauf echt anstrengend zu gehen. Meine Freundin, die vorging hatte dabei bedeutend weniger Probleme als ich, der sich nicht so recht wohl fühlen wollte und außerdem nach wenigen Metern auf dem Geröll schon entkräftet war. Dennoch kämpften wir uns voran, dabei begegneten uns auch vereinzelnd absteigende Wanderer und Touristen, die uns mitteilten, dass das schlimmste gleich geschafft wäre.

Und tatsächlich schon bald leitet ein Stahlseil den letzten einfachen Klettersteig ein, der aber fast schon ein wenig Überlaufen ist. So mussten wir an einer Stelle mehrere Minuten ausharren um Absteigende vorbeizulassen. Ohne weitere Probleme erreicht man so den Kamm, neben welchen der Klettersteig die letzten Höhenmeter zur Zugspitze macht. Ich empfand es dabei von großen Vorteil am Vortrag einen etwas schwierigeren Klettersteig absolviert zu haben und fühltem ich Pudelwohl entlang des Kammes, an welchem ich mir jedoch gut vorstellen kann, dass man wegen der dortigen Tiefblicke schon ein wenig mulmiges Gefühl haben kann.

Wir  kamen jedoch gut und wohlerhalten an der Zugspitze an und wurden von einem winzigen Schneefeld und von Touristen empfangen, die uns anboten ein Bild von uns zu machen.

 

Ankunft auf der Zugspitze

Die letzte Treppe genommen kommt man unmittelbar am Münchner Haus heraus. Bei dem Wetter fühlt man sich wie im Phantasialand und bei der Menge an Touristen wie in einer anderen Welt. Die Leute, die auf die Zugspitze an diesem Tag tatsächlich gewandert sind, könnte man bestimmt mit ein paar Händen abzählen. Wir ließen uns jedoch nicht beirren und bahnten uns voran um einen Blick auf das Gipfelkreuz zu erhaschen. War der letzte Klettersteig dorthin begehbar? Ja war er. Allerdings war der Klettersteig und das Gipfelkreuz hoffnungslos überlaufen und es war beängstigend zu zugucken welche Aktionen die Touristen an der Leiter absolvierten um voran zu kommen oder auszuweichen. Wir entschlossen uns ein wenig enttäuscht, dass wir das zusätzliche Risiko nicht auf uns nehmen wollten und ließen das Gipfelkreuz Gipfelkreuz sein. Wir werden sicherlich nocheinmal zurückkommen und dann die Wanderung mitsamt des Gipfelkreuzes abschließen.

Wir liefen entlang der Aussichtsplattform und genoßen das bombastische Wetter mit dem überaus guten Panoramablick – Wir sahen weit ferner als wir uns vorgestellt hatten an diesem nebeligen Tag und konnten sogar den Säuling und den Tegelberg erkennen, an dem wir die Tage zuvor noch gewesen sind.


Nachdem wir an falscher Stelle probiert haben ein möglichst gutes Webcambild zu erzielen, gingen wir zum Münchener Haus und kauften eine Portion Sauerkraut mit Semmelknödel und (vegetarischer) Bratensauce. Ein Festschmaus, welchen wir uns teilten. Anschließend gab es noch eine Portion Apfelstrudel mit Vanillesauce, der aber einen Vergleich mit dem Apfelstrudel am Tegelberghaus nicht standhält. Nachdem wir auch noch die Informationen im Zugspitzmuseum in uns aufsogen sowie eine kleine Toilettenpause machten, begegnete uns dann tatsächlich eine Wolkenfront an der Aussichtsplattform. Für uns hieß es ohnehin nun nur noch mit der österreichischen Zugspitzbahn wieder ins Tal zu fahren, daher kam die Wolkenfront just in time.

 

Auf zur Talfahrt

Das Tiroler Zugspitzmuseum ist m.E. besser gelungen als das deutsche Pendant, auch weil dort eine weitere Wettersteinumrundung an einem Miniaturmodell ohne weiteres möglich ist. So macht Ultratrail Spaß! Mit der Gondel ging es dann bergab. In der Talstation machte ich mir dann erstmal die Schuhe zu, die während des ganzen Aufstiegs offen waren und wir warteten auf den Bus, der uns in Richtung unserer Pension brachte. Mit uns zusammen warteten noch weitere Touristen und Wanderer, eine kleine Gruppe von ihnen war heute gar barfuß auf die Zugspitze gegangen.

 

Ein ruhiger Abend

Zuhause in der Pension duschten wir uns. Dann sollte es eigentlich zu einem urigen Restauran gehen um Semmelknödel mit Pfifferlingen zu essen, dort wies man uns jedoch wegen Platzmangels ab. Nach Überlegungen, ob wir daher selbst etwas kochen sollten oder nicht, zog es uns jedoch wieder zur Feier des Tages in die Pizzeria. Dort wartete ein Käseteller und Salatteller auf uns um den gelungen Tag (mit zusammen mit unserem eingefangen Sonnenbrand)  ausklingen zu lassen.

 

Ein Fazit. Nicht mehr und nicht weniger.

Ich glaube, die Bilder und das Lachen im Gesicht meiner Freundin sprechen für sich als wir am Gipfel sind: Es war eine sehr schöne und sehr abwechslungsreiche Bergwanderung auf Deutschlands höchsten Berg, die bei einem so tollen Wetter wie wir es hatten, ein glückliches Lächeln auf den Gesichtern der Bergwandernden hinterlässt.  Nach dem Säulin vor zwei Tagen war es nun unser zweiter gemeinsamer richtiger Gipfel.  Neben dem Klettersteig von Sonnalpin bis zum Gipfel liegt die größte Schwierigkeit der Tour wohl an der  Kondition, die sie voraussetzt. Wenn man eine solch lange Wanderung genießen will, sollte man definitiv ein wenig trainiert haben umso schöner ist es, dass wir (bzw. ich bis auf das Geröllfeld) trotz der Höhenemter der letzten Tage, die wir beide in den Beinen haben, jeden Meter der Tour genießen konnten. Ein wenig enttäuscht ist man jedoch dann schon, wenn man nach all den Kilometern und Höhenmetern oben beim Münchner Haus am Gipfel ankommt und es wegen der Gondel-Touristen doch nicht bis zum Kreuz schafft. Aber so haben wir immerhin nocheinmal einen Anreiz wiederzukommen auf den höchsten Berg von Deutschland. Ein tagleicher Abstieg statt der Talfahrt wäre sicherlich möglich. Vielleicht mal etwas für das nächste Mal.

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