Ein Sommerurlaub. fünfter Tag. Ruhetag.

Guten Morgen Sonne

Als die ersten Sonnenstrahlen wollige wärme über das Gesicht brachten, war es langsam an der Zeit aufzustehen. Nach drei langen und anstrengenden Tagen sollte heute unser Ruhestag anstehen.  Demenstsprechend lief alles ein wenig langsamer ab, als sonst. Langsam gingen wir duschen, packten unsere sieben Sachen schon grob zurecht und gingen langsam zum Frühstücksraum unserer Pension. Dort kamen wir dann auch so spät an, dass man gar nicht mehr mit uns gerechnet hat. Dennoch, Semmel, Wurst, Käse und Marmelade wurden uns alsbald an den Tisch gebracht und von uns direkt mit einem warmen Kakao in Beschlag genommen.

 Auf nach Mittenwald, auf nach Scharnitz.

Danach nochmal auf unsere kleine Stube, die Sachen ins Auto schleppen und auf ging es nach Mittenwald. Der Tag sollte auch weiterhin im Zeichen des Kaloriennacholbedarfs stehen. An der Bäckerei in der Nähe des Bahnhofs holten wir eine Breze und schlenderten durch den stilvollen Stadtkern Mittenwalds zu einem kleinen Käseladen um noch einen Berg-  und Bergblütenkäse zu kaufen. Danach ging es in Richtung Auto zurück, in dessen Nähe wir unserer erworbenen Nahrungsmittel auch direkt verspeisten.

Gänzlich ohne “Pflichtprogramm” waren wir auch an unserem heutigen Ruhetag nicht. Unser Tagesziel bestand aus der Nachmeldung zum morgigen Karwendelmarsch in Scharnitz. Also die paar Kilometer nach Scharnitz mit dem Auto weitergefahren und in dem dortigen Gemeindehaus Plätze für den Marsch für meine Freundin, meinen Bruder und mich nachgebucht. Dabei überlegten wir noch kurz ob wir uns bei der Läufergruppe anmelden wollen, verwafen aber den Plan doch recht schnell wieder in Anbetracht der Höhenmeter und Kilometer, die von den letzten Tagen noch in unseren Beinen steckten. Das große Ziel war das durchkommen. Immerhin ist sowohl mein Bruder als auch meine Freundin noch nie 52 km am Stück gelaufen. Die Anmeldung ging erstaunlich unproblematisch und keine 5 Minuten später hatten wir schon unsere Startnummern in der Hand. Mit diesen sind wir dann weiter zum Campingplatz in Scharnitz um unser Zelt für die Nacht aufzubauen.

Durch und über die Geisterklamm bei Mittenwald

Wir hatten Glück: Trotz der morgigen Großveranstaltung hatten wir auf dem kleinen Platz in bester Lage noch einigermaßen freie Platzwahl für unser Zelt. Nach dem Zeltaufbau zog es uns noch einmal in Richtung Mittenwald zurück um dort einen lockeren Spaziergang durch die Geisterklamm zu machen. Wir zahlten ein wenig Eintritt für den viel zu kurzen Wasserfallsteig, der uns in der Klamm auf sehr gut befestigtem aber enttäuschend kurzen Weg in die Nähe eines Wasserfalls brachte. Wir hielten uns dort auch nicht lange auf und machten uns auf dem Rückweg um noch den Koboldpfad bzw. den Klammgeistweg abzulaufen. Die beiden ineinanderübergehenden Wege führen zu einem Großteil der Strecke auf einem extrem übersicherten künstlich angelegten Gang durch die Schlucht. Aufgrund der Übersicherung sollten auch Personen mit Höhenangst meines Erachtens keine Probleme bei der Begehung haben. Mit all den Geländern und Seitenwände kommt es einem einfach nicht so vor, dass man gerade mehrer Meter über dem “Nichts” steht.

 

Desweiteren sollte der Weg auch gerade Familien und auch für schwächere Wanderer geeignet sein: Bis auf den kurzen Einstieg, der mit naiven Informationsschilder über die Gletschergezeiten dekoriert ist,  gibt es keine Nennenswerten Höhenmeter zu überwinden. Dazu laden verschieden Spielstellen auf dem Steig auch noch dazu an auch z.B. mal sein Ohr zu benutzen um dem wilden Wasser, welches durch die Klamm fließt bewußt zuzuhören. Bei der Abzweigung zur Kapelle sollte man allerdings passen. Diese Abzweigung führt nur vom eigentlich Weg weg zu einer kleinen unscheinbaren Kapelle an einer Straße.
Wieder auf dem Klammgeistweg zurück hat man hingegen noch die Chance den Klammgeist zu sehen, der einem mit einem wilden “huhu” begrüßt. Toll!

Irgendwann führt der Weg jedoch aus der Klamm heraus und es geht durch den Wald wieder zurück zum Ausgangspunkt. Den Streckenabschnitt kannte ich nun vom Zugspitz Ultratrail zu gut und genoß es diesesmal redlich einmal im ruhigen Tempo dort durchzuspazieren. Auch hier wird der Spaziergang regelmäßig durch kleine Informations-Rätsel unterbrochen durch welche wir z.B. Bekanntschaft mit dem Goldhähnchen machen konnten. Das richtige Highlight auf dem Streckenabschnitt sind allerdings die wunderbaren Verzerrspiegel die dort irgendwo aufgebaut sind.  Natürlich führt der Weg auch noch an einer Gaststätte vorbei, an der man bei bester Aussicht auf das Karwendelgebirge Kaffee und Kuchen genießen könnte. Insgesamt ein sehr schöner Spaziergang.

Zurück am Ausgangspunkt stiegen wir in unser Auto und fuhren zurück zum Zeltplatz nach Scharnitz. Wir musste noch Sachen für den morgigen Marsch packen und wollten auch mal von unseren Gaskocher gebrauch machen: Paprika mit mediterranen Reis stand auf dem Programm, den wir bei einziehender Dunkelheit auch zu genießen wußten. Dazu gab es noch ein paar Scheiben Brot, welches wir zuvor noch in Mittenwald gekauft hatten.

Wieder am Zeltplatz

Der Zeltplatz wurde mittlerweile wie zu erwarten voll mit Teilnehmern vom Karwendelmarsch und insbesondere unser Zeltnachbar klärte uns ein wenig über die uns unbekannte Strecke auf und warnte uns schon einmal grob vor den endlos andauernden Latschen-Serpentinen vor, die uns beim letzten Berg erwarten sollten. Wir waren gespannt, gingen wir doch ansonsten völlig uninformiert in den morgigen Lauf hinein. Leider sollte die Nacht nicht ganz so ruhig werden. Der Campingplatz beherbergte neben uns noch einige Schnarchnasen und als man sich an diese gewöhnte setzte ein ganz leichter Regen ein, dessen prasselndes Geräusch einem den Schlaf nicht so recht gönnen wollte. Zudem war da ja auch noch die Aufregung wegen morgen. Insbesondere wollte mein Bruder noch ganz früh zu uns auf den Campingplatz stoßen, so dass wir gemeinsam zum Start gehen können um unsere Dropbags mit dem Duschsachen im Ziel abzugeben. Ob alles gut geht? Ob wir die Distanz schaffen? Vielleicht hätten wir das Höhenprofil doch einmal besser studieren sollen. Viele Fragen schwirrten im Kopf herum, aber irgendwann nistete sich neben den vielen Fragen auch ein Stündchen schlaf und Ruhe dazu.

 

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