2-Trails Part I: Mittelrhein Klettersteig

IMG_9180Ich bin vor einiger Zeit eher zufällig auf den Rheinburgenweg gestoßen. Dieser schlängelt sich auf der linken Seite des Rheines südlich von Bonn in Richtung Bingen. Das Stück von Koblenz nach Bingen verläuft dabei durch das Unesco Welterbe “oberes Mittelrheintal” und deutet auf einen sehr abwechslungsreichen und schönen Weg hin.
Bei der Recherche zu diesem Wanderweg stieß ich jedoch auf ein Teilstück, welches mir Sorge bereitet, ob sich denn der Weg in Form eines Trailrunnes gut eignet:

Der Rheinburgenweg bietet die Möglichkeit über den Mittelrhein-Klettersteig bei Boppard zu verlaufen. Der Klettersteig ist einer der wenigen in Deutschland außerhalb der Alpen und daher eine echte Rarität. Die Frage die mir im Kopf rumgeisterte, war ob man ihn als ungeübter Nachts ablaufen könnte, oder den harmloseren Wanderweg wählen sollte. Auf den Bildern, die im Internet rumschwirren wirkte er gut befestigt: Viele Leitern, Trittbügel und Seile zieren den Steig, so dass man ihn den Bildern zu Folge auch als Ungeübter begehen kann.

Die Bilder sehen spannend aus, aber auf Bildern lassen sich die tatsächlichen Steigungen und vor allem auch die Tiefe von Abgründe nur schlecht festhalten, deshalb ging es darum sich einmal selbst einen Überblick zu verschaffen.
Meine Freundin ist verrückt und motiviert genug um mich bei solchen Ausflügen zu begleiten und so war es geplant gegen Sonntagmittag gemeinsam ca. 85km  in Richtung Süden nach Boppard zu fahren.

Am Sonntagmittag war es kalt und trotz der Tageszeit noch nicht richtig hellgeworden. Die Lust an diesem Sonntag aufzubrechen hielt sich bei uns beiden in Grenzen, aber ihr Laufrucksack war nunmal mit Jacken, Stirnlampen, Nahrungsmittel und Wasser gepackt und letztendlich sagt eine alte Sportlerweisheit, dass man ja doch nur die Trainingseinheiten bereut, die man nicht getan hat. Also ging es nach einem kurzen Tankstopp auf der Autobahn in Richtung Süden. Immerhin hieß es für meine Freundin an diesem Tag auch ihre neuen Trailschuhe auszutesten.

In Boppard angekommen fanden wir einen Parkplatz in unmittelbarer Nähe des Klettersteiges. Da wir nur wenige km laufen wollten, ließen wir den Laufrucksack im Auto. In unserer Euphorie verpassten wir dennoch die Abzweigung zum Klettersteig direkt vor unserer Nase und liefen erstmal ein paar Minuten die Straße entlang, eher wir merkten, dass wir auf einem Irrweg sein müssen. Also Umkehr und kurz vor dem Parkplatz haben wir dann doch noch die richtige Abzweigung entdeckt.


Von dort ging es recht zügig auf felsigen boden bergauf bis uns kurz Zeit später ein Hinweisschild darauf aufmerksam machte, dass zu unserer Rechten nun der Klettersteig anfängt. Unsere Laune ist bis dahin gesunder neugierde gewichen und wir waren schon sehr froh, dass wir gefahren sind.

Der Klettersteig beginnt mit einer harmlosen  Leiter, die keinerlei Probleme bereitet. Wenn man es, wie wir, jedoch nicht gewohnt ist, ist der Abstieg an einer solchen Leiter dennoch mit einer gewissen Euphorie verbunden: Irgendwie geht es ja doch ziemlich direkt runter und alles ist neu und ungewohnt. Dazu gesellt sich ein sehr imposanter und erhabenerAusblick auf die Rheinschleife bei Boppard.
Leitern machen tatsächlich den Großteil des Klettersteiges bei Boppard aus. Die insgesamt 11 Stationen des Klettersteiges (wir haben nur 10 gezählt) werden durch Singletrails entlang des Berges miteinander verbunden. Diese Teilstücke absolvierte meine Freundin in einem beeindruckend Tempo und ich hatte fast Mühe ihr zu folgen.
Die Stationen des Steiges bestehen sonst auch gerne aus Trittbügeln. Diese waren für mich erstaunlich ungewohnt zu begehen und statt auf den Fußballen, bevorzugte ich es auf dem Mittelfuß aufzutreten. Diese ungewohnte Belastung führte am Ende der Klettersteigstationen zu einem leicht schmerzenden Fuß.
Während die ersten Stücke mit den Trittbügeln lediglich eine steile Wand hinaufgingen, kamen wir irgendwann an ein Stückchen, wo die Bügel horizontal aus der Wand herausragen.
Ich musste direkt an die Videos zum “Brett” bei der Zugspitze denken, die ich vor einiger Zeit gesehen habe, auch wenn unsere Trittbügel natürlich in einem viel besseren Zustand waren und es auch nicht ganz so tief hinab ging. Gedanklich nannte ich diese Stelle daher die “Latte”. Ein sehr ungewohntes Gefühl war es dennoch sich entlang der Wand zu hangeln und bisher hab ich Klettertechnisch noch nichts vergleichbares in meinem Leben gemacht.
Die Laufuhr störte in diesem Abschnitt immer und stieß von Zeit zu Zeit gegen die Wand. Das nächste Mal in solchen Situationen ist sie unbedingt nach innen zu drehen.
Die nächsten 1-2 Stationen gingen wieder über Leitern völlig unproblematisch Plötzlich hatte der Weg eine Abzweigung und es war unklar wo denn nun der Klettersteig weitergeht. Auch entgegenkommende Wanderer konnten uns nicht wirklich Auskunft darüber geben. Wir beschlossen uns daher für den einfachen Fall: der Weg, der eher nach “Geradeaus” aussieht. Es stellte sich heraus, dass dies der korrekte Weg war.
Das letzte Stück Klettersteig bei Wegepunkt 1.4 km ist mit Abstand auch das längste Stück. Jedoch gibt es zwischendurch immer mal wieder Plateus, wo man von den Trittbügeln herunterkommt und verschnaufen kann.
Auf den Weg nach oben kämpfte sich auch die Sonne durch die Wolken und empfing uns am Ende des Klettersteiges. Ihr entgegenlaufend machten wir beim nächsten Aussichtspunkt eine kurze Pause um unsere Füße in die Luft zu strecken.
Von dort ging es dann über ein noch recht steiles, wenn auch kurzes Stück berghoch. Mit jedem Höhenmeter den man an diesem Aufstieg machte, werden die Bäume einen Meter kürzer, so dass einen an dieser Stelle Zwergenbäume erwarten.
Aber irgendwann ist auch der letzte Anstieg vorbei. Oben verbreiteten dann der Regen einer einzelnen Wolke eine wunderbare und unvergessliche Stimmung im Glanze der Sonnenstrahlen, denen man entgegenlief.
Vorbei an einem BikePark folgten wir dann dem Weg zum Hamm Blick ehe wir an der Gaststätte Vier-Seen-Blick noch ein weiteres mal das wunderbare Rheinpanorama genoßen und uns dann auf den Abstieg machten, der abermals in einem sehr zügigen Tempo stattfand.
Insgesamt ist der Klettersteig selbst für reines Trailrunning wie zu erwarten eher nicht geeignet, die Kombination war jedoch perfekt. Die Strecke ist sehr eindrucksvoll, absolut empfehlenswert. Und wenn es im Frühling/Sommer etwas grüner draußen ist, sicherlich noch schöner, so dass wir sicherlich noch einmal den Klettersteig begehen werden.

Von Boppard ging es dann weiter zum Höhlen- und Schluchtensteig bei Andernach um den zweiten ei Trail an diesem Tag zu bewältigen.

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