Dragon UltraTrail 2014

Meine ehemalige Laufpartnerin machte mir im Januar den Dragon Ultratrail 2014 schmackhaft. Von der Ausschreibung, dass der Lauf als Wettlauf geplant sei, erst schüchtern abgeschreckt, zierte ich mich vorerst aufgrund meines Trainingszustands mit einer konkreten Zusage. Dennoch, in meinem stillen Kämmerchen wuchs der Gedanke, dass sich so ein Lauf über 50 km in unmittelbarer Wohnortsnähe unter netter Gesellschaft und auf bekanntem Terrain, sicherlich hervorragend als Trainingslauf eignet. Also, in der Besenkammer schonmal die rote Laterne angemacht und ein wenig den Staub vom Kehrwagen geputzt, den ich bei dem Event sicherlich hinter mir herziehen müsste, meldete ich mich dann tatsächlich Anfang Februar an.  Als Trainingslauf geplant, stand natürlich nocheinmal mehr die Gesundheit an erster Stelle  und ich legte mir von Anfang an den Plan zurecht, dass ich bei der kleinsten Überbelastungserscheinung abbrechen werde und es mein Ziel nur sein wird anzukommen. Aber im Endeffekt sind es ja ohnehin “nur” 1650 hm auf 50 km. Was soll da schon großartiges passieren?!

Auf dem Papier sieht die Zahlenfolge ja auch gar nicht so schlimm aus. Und so nahte Event immer näher und irgendwann wuchs dann auch die Vorfreude auf den heutigen Samstag stetig an.

Mein gelaufenes Höhenprofil vom Dragon Ultratrail 2014
Das aufgezeichnete Höhenprofil

Meine Freundin versorgte mich mit einer Tarte au Chocolate, die sie am Freitag noch für mich zusammengerührt und gebacken hat. Meine Vorliebe für Kuchen als Verpflegung habe ich bei längeren Radtouren in den letzten Jahren entdeckt. Nach langen Versuchsreihen kristallisierte sich bei mir dann die Schokoladentarte als Topfavorit heraus. Super Geschmack, lässt sich kompakt zusammenquetschen und ist dazu noch vertretbar trocken und macht (als Backmischung) keine 5 Minuten arbeitet.

Also Samstag morgen ein paar Stücke von der Tarte in Alufolie gequetscht und ab damit in den Laufgürtel, den ich für dieses Event einmal ausprobieren wollte. Die Strecke war bis auf einen kleinen Verpflegungsbus hinter dem Drachenfels als Selbstversorger zurückzulegen. Vor allem Wasser könnte also ohne Rucksack ein Problem werden. Nach dem Besuch am Moselsteig in der letzten Woche wußte ich, dass zwar der Gürtel eine theoretische Tragfähigkeit von mindestens 1.5 liter hat, aber auf der praktischen Seite stand dann der unbemerkte Verlust einer Trinkflasche. Diesesmal packte ich die Flaschen daher kompakter. Zwei Große in die beiden verschiedene Fächer hinten (beim Moselsteig lagen beide im unteren, halboffenen Fach) und zwei kleine Vorne. Daneben war für den Kuchen und meine Kamera noch mehr als genug Platz. Als ich den Gürtel ins Auto meiner Freundin legte, freute ich mich schon “oben ohne” Laufen zu können.

Wir fuhren über Bonn Beuel nach Bad Honnef da wir in Beuel noch meine ehemalige, und für dieses Event wieder aktuelle, Laufpartnerin auflesen wollten. Ungefähr gegen halb 11 waren wir so am aktualisierten Treffpunkt der Jugendherberge, wo die Besprechung zum Lauf schon voll im Gang war. 130 Läufer haben sich nach der Facebookliste für den Lauf angemeldet, ich schätze, dass sich nun ungefähr 80 in der Jugendherberge eingefunden haben. Da es stellenweise auch über unmarkiertes Terrain gehen sollte, war GPS Pflicht.

Treffpunkt Jugendherberge Bad Honnef Ab nach draußen.

Im Anschluß der Besprechung habe ich noch schnell mein T-Shirt abgeholt und meiner Freundin zur Aufbewahrung bis hinter das Ziel übergeben. Dann  ging es mit uns nach draußen, wo wir auf den gemeinsamen Marschbefehl zum Startpunkt an der Helte warteten.

Vor dem Lauf, vor der Jugendherberge. Vor dem Lauf, vor der Jugendherberge. Vor dem Lauf, vor der Jugendherberge.
Vor dem Lauf, vor der Jugendherberge. Vor dem Lauf, vor der Jugendherberge. Vor dem Lauf, vor der Jugendherberge.

Das Wetter war das erste mal seit Tagen nicht von warmer Sonne geprägt, sondern bewölkt bei einer gefühlten hohen Luftfeuchtigkeit, die auf den ersten kilometern zum Schwitzen animieren sollte. Insgesamt aber sehr angenehmen zum Laufen.
Nach dem Countdown an der Helte brach der Pulk entlang des Rheinsteigs auf. Das erste Stück bergauf entlang des Mucher Wiesenbaches wurde gelaufen. Die Steigung zieht aber bereits kurze Zeit später an der Leybergbahn, die uns auf direktem Weg in Richtung Leyberg bringt, an, und lädt daher eher zum “spazierengehen” ein. Eine Einladung, die gerne angenommen wurde.

...und Abmarsch zum Start Auf dem Weg zum Startpunkt an der Helte Die letzten Ein- und Anweisungen vom Hexer.
Der Startschuß ist gefallen. Der erste Anstieg wird kollektiv gelaufen Der erste Anstieg wird kollektiv gelaufen ...zumindest so weit wie es geht...
Leybergnähe. Der erste der Berge ist fast geschafft. Wieder eben, wieder am Laufen

Die Gegend um den Leyberg ist mein altes Territorium und ich kenne dort alle Wege in Richtung Himmerich. Dachte ich mir zumindest. Tatsächlich sind wir ein Stück zuerst dem Hauptweg folgend irgendwann wild links in die Vallachei abgebogen um Trailrunning in seiner reinsten Form nachzugehen. Mir dämmerte, langsam, dass ich mir hätte den Track einmal genauer anschauen sollen, da sicherlich noch mehr, sehr überraschende Wegfindungen eingebaut waren. Es dauerte jedoch nicht lange, ehe wir auf einen regulären Forstweg trafen, der uns bis zur  Mäcki-Hütte  brachte. Von dort geht es ein Stückchen Asphalt in Richtung Himmerich.

Ist das tatsächlich ein Weg?! Aufstieg an der Mäckie-Hütte entlang in Richtung Himmerich Im oberen Bereich lässt die Steigung wieder nach Wir verlassen die Straße und laufen über einen "Umweg" weiter zum Himmerich-

Der Straßenanteil wurde allerdings minimal gehalten, die befestigte Straße wurde für einen Waldweg aufgegeben. Der Waldweg kurze Zeit später wieder für einen Quer-Feld-Ein-Weg. Fröhlich über den Waldboden springend  habe ich an dieser Stelle wohl mit voller Wucht ein dornenbehaftetes Gestrüpp mitgenommen, was mir entlang der Innenseite der Wade blutende und brennende Kratzspuren bescherte. Aber was man nicht sieht, das spürt man vorerst nicht und so ging es unbekümmert weiter.

Übrigens, nach der Karte, wäre auch ein Weg parallel zu unserem Querfeldeingetrampel verlaufen. Ein Schelm, wer denkt, dass wir blind den GPS-Daten gefolgt wären und diese eventuell manchmal auch an Interpolationsfehlern gelitten haben könnten….

Querfeldein vor dem Aufstieg zum Himmerich Querfeldein vor dem Aufstieg zum Himmerich Querfeldein vor dem Aufstieg zum Himmerich

So oder so kamen wir zum Punkt des Aufstiegs zum Himmerich, den wir jedoch, wie bereits den Leyberg zuvor und noch markante Punkte später, selbst nicht mitgenommen haben. Stattdessen wählten wir, so glaube ich, den Zuweg zum Rheinsteig an dieser Stelle um uns weiter fortzubewegen und um dann auf weiteren Neben”wegen” (ja, kein Fehler nur der zweite Teil ist in Anführungszeichen!) den Rheinsteig aufzusuchen, den wir dann nach Überquerung der Schmelztalstraße schnell wieder verließen.

Kurz vor dem Wegpunkt wo es zum Himmerich abbgehen würde. Kurz vor dem Wegpunkt wo es zum Himmerich abbgehen würde. Kurz vor dem Wegpunkt wo es zum Himmerich abbgehen würde. ...Wir laufen allerdings auf dem Rheinsteig Zuweg ein Stückchen weiter.
Auf dem Weg zum Rheinsteig Auf dem Weg zum Rheinsteig Auf dem Weg zum Rheinsteig
Dem Rheinsteig wird kurz gefolgt und wir überqueren die Schmelztalstraße Allerdings verlassen wir den Rheinsteig rasch wieder.

Es ging in Richtung Tretschbachtal. Dem Bachverlauf folgten wir und querten wenig später den Annatalweg bzw. den Moschbach. In den Serpentinen hinter dem Annatalweg fing es an zu regnen. Der Regen weilte jedoch nur kurz, hinterlies aber dennoch ein wenig Kälte und erneuerte die für mich hohe Luftfeuchtigkeit, die wieder  zum Schwitzen einlud. Die grobe Plan hieß nun sich über die  Breiberge auf zur Löwenburg zu kämpfen  nicht ohne auch auf diesem Stück mindestens einmal noch auf eher unkonventionellen Wegen durch und in den Wald zu navigieren und auch einmal eine kurze Aussichtspause an den Breibergen gemacht zu haben.

Dragon_Ultratrail_Bild035 Dragon_Ultratrail_Bild036 Dragon_Ultratrail_Bild037 Dragon_Ultratrail_Bild038
Dragon_Ultratrail_Bild039 Dragon_Ultratrail_Bild040 Dragon_Ultratrail_Bild041
Dragon_Ultratrail_Bild042 Dragon_Ultratrail_Bild043
Dragon_Ultratrail_Bild044 Dragon_Ultratrail_Bild045 Dragon_Ultratrail_Bild046

Also immer den Waden der anderen gefolgt, zieht  am Löwenburgerhof die Steigung noch einmal kurz immens an, als wir in Richtung der Merkenshöhe in den Wald abbogen. Entlang des Trenkenbergs und Erpelntalskopf lässt der Weg keine Möglichkeit aus uns bis in die nähe des Nasseplatzes zu quälen. Nur um dann in einen ständigen Auf und Ab in der Nähe des Jungfernhard über den Geisberg und entlang des Schallenbergs zum Bolvershahn zu machen. Ungefähr der Anfang dieses Abschnittes muss es auch gewesen sein, als ich mich vorerst von meiner Laufpartnerin löste und mich versucht habe einer recht zügig laufenden Gruppe aufzuschließen – auf mein eigenes GPS war wiedermal kein Verlaß an diesem Tag und so brauchte ich immer Gesellschaft in Sicht- und Greifweite.

Dragon_Ultratrail_Bild047 Dragon_Ultratrail_Bild048 Dragon_Ultratrail_Bild049 Dragon_Ultratrail_Bild050
Dragon_Ultratrail_Bild051 Dragon_Ultratrail_Bild052 Dragon_Ultratrail_Bild053 Dragon_Ultratrail_Bild054
Dragon_Ultratrail_Bild055 Dragon_Ultratrail_Bild056 Dragon_Ultratrail_Bild057 Dragon_Ultratrail_Bild058
Dragon_Ultratrail_Bild059 Dragon_Ultratrail_Bild060 Dragon_Ultratrail_Bild061 Dragon_Ultratrail_Bild062

Das ganze hat auch ganz gut funktioniert, nur haben wir dann kollektiv kurz hinter dem  Bolvershahn wohl eine Abzweigung übersehen. Der Fehler wurde erst nach ein paar hundert Metern bemerkt und es ging zu dessen Korrektur Querfeldein auf einer Steigung, die sich gewaschen hat, wieder auf den offiziellen Weg zurück.

Dragon_Ultratrail_Bild063 Dragon_Ultratrail_Bild064

Über die Wolkenburg erreichten wir den Rheinsteig, der uns zum Drachenfels brachte an dem meine Gruppe kurz für ein Gruppenfoto ausharten, ehe wir an der Drachenburg vorbei wieder einige Höhenmeter verloren.

Dragon_Ultratrail_Bild065 Dragon_Ultratrail_Bild066 Dragon_Ultratrail_Bild067 Dragon_Ultratrail_Bild068
Dragon_Ultratrail_Bild069 Dragon_Ultratrail_Bild070

Kurz vor der am Poltscheidt untergebrachten Verpflegungsstelle traf ich wieder auf meine Laufpartnerin, die ich eigentlich immernoch hinter mir vermutet habe und schloß mich ihr wieder an. Mittlerweile hat sich der Gemütszustand auch ein wenig gewandelt. Der Verlaufer war nicht nur Zeit, sondern vor allem auch kräftezehrend gewesen, während meine Laufpartnerin auf der Strecke ohne mich aufgeblüht war und auf einmal nur so von Energie strahlte.  Gekonnt fischte sie am Verpflegungsmobil (Danke an den Sponsor!) einen Becher Cola für jeden von uns heraus. Unsere Wasservorräte fülten wir jedoch nicht auf, sondern machten uns beide schnellen Schrittes direkt wieder auf in den Wald….um die ersparte Zeit direkt wieder zu verlieren, da wir uns abermals verliefen.

Dragon_Ultratrail_Bild071 Dragon_Ultratrail_Bild072
Dragon_Ultratrail_Bild073 Dragon_Ultratrail_Bild074

Der nächste erinnerungswürdige Aufstieg wartete an der Burgruine Rosenau auf uns. Dies geschafft stellte der Wasserfall hingegen keine Herausforderung auf dem Weg zum Großen Ölberg dar, den wir auf einen ziemlich direkten und anstrengenden Weg nach oben streiften. Danach war der Höhenmetermässige Löwenanteil der Strecke fast geschafft.

Dragon_Ultratrail_Bild075 Dragon_Ultratrail_Bild076 Dragon_Ultratrail_Bild077 Dragon_Ultratrail_Bild078

Auf dem Weg zum Petersberg umkreisten wir nur noch den eindrucksvollen Stenzelberg und überquerten den Nonnenstromberg.

Dragon_Ultratrail_Bild079 Dragon_Ultratrail_Bild081
Dragon_Ultratrail_Bild082 Dragon_Ultratrail_Bild083 Dragon_Ultratrail_Bild084

Ich meine in der Petersberggegend zeigte meine Laufuhr bereits auch schon den Stand von ca. 1650 Höhenmetern an. Kein Wunder, dass sich alles ein wenig anstrengender als kalkuliert anfühlte.Auf dem Weg vom Petersberg hinunter verpassten wir fast eine kleine Abzweigung, erweiterten aber unsere kleine exklusive Laufgruppe nun permanent auf die Zahl drei. Mein von den Dornen ganz zu Anfang verletztes Bein fühlte sich an, als ob es pulsierte. Doch da ich mich stets weigerte hinab zuschauen, war mir unklar, woher das Gefühl kam, vermutete ich die aufgerissenen Stellen eher weiter hintenrum. Insgesamt war der Zustand in unserer dreier Gruppe aber gut. Der Rest der Strecke lässt es sich im Übrigen nicht nehmen mit der Dollendorfer Hardt nochmals einen Berg einzubauen eher er auf vergleichsweise ruhigeren Terrain in den Höhen von Oberkassel und Oberdollendorf auf sehr beeindruckender Weise den Weg in zivilisiertere Bereiche windet.  Ein Highlight dieser Niederkunft ist sicherlich das Stück an der Basaltsäule entlang, die z.B. von der B42 aus mit dem Auto gut sichtbar ist.

Dragon_Ultratrail_Bild085 Dragon_Ultratrail_Bild086 Dragon_Ultratrail_Bild088
Dragon_Ultratrail_Bild089 Dragon_Ultratrail_Bild090 Dragon_Ultratrail_Bild091

Wir sind zwar nach mittlerweile insgesamt 2000 Höhenmeter insgesamt deutlich langsamer geworden, aber fanden noch genügend Kraft um über große Abschnitte des letzten  Streckenteiles zu traben.Nach dem Abstieg nähert man sich langsam dem Rhein. Auf dieser für mich  immer sehr zähen und langweiligen Strecke zwischen den Bonner Brücken wurden wir von einem Einzelkämpfer noch überholt. 100-200 Meter vor dem Zielpunkt des Vereinsheims nahm uns jedoch meine Freundin in Empfang und spornte uns an die letzten Meter bis zum Vereinshaus auch noch nach Leibeskräften zu laufen. Zieleinkunft war dann für uns  im Vereinshaus nach 7 Stunden und 20 Minuten und 2026 barometrisch gemessenen Höhenmetern.

Dragon_Ultratrail_Bild092 Dragon_Ultratrail_Bild093

Nach einer sehr ausführlichen Duschsession ging es dann nochmal für mich zu einem kurzen Beisammensein in das unmittelbar darüberliegende “Haus am Rhein”, in dem diese sehr gelungene Laufveranstaltung ausgeklungen ist.

Dragon_Ultratrail_Bild095 Dragon_Ultratrail_Bild096
Dragon_Ultratrail_Bild097 Dragon_Ultratrail_Bild098

Trag mich in die Welt hinaus: Share on Facebook
Facebook
0Tweet about this on Twitter
Twitter
Share on Google+
Google+
0Share on Tumblr
Tumblr
0Share on StumbleUpon
StumbleUpon
0Email this to someone
email

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

Captcha * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.