Auf den Spuren der Erstbesteiger zur Zugspitze

Auf den Spuren der Erstbesteiger der Zugspitze führt uns unsere eigene Erstbesteigung durch das Reintal. Ab der Knorrhütte erwartet uns jede Menge Schnee und schlechte Sicht, was die Tour sehr abenteuerlich werden lässt.

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Ankunft in Grainau

Nach nur einem Monat nach dem Osteraufenthalt mit meiner Freundin in Grainau rief das Wettersteingebirge abermals und mein Bruder und ich folgten dem Ruf.

Nach meiner äußerst positiven Erfahrung bei Familie Haslinger  mit der Ferienhütte Beate war der Ort unserer Unterkunft schnell abgeklärt:  Auch diesesmal sollte die gut ausgestattete Hütte, die auch durch ihre erstklassige Lage in der Nähe von Supermärkten (sowie eines Porschehändlers für die Kurzentschlossenen) wieder der perfekte Ausgangspunkt für die anstehenden Touren sein.

Nach einem sehr heißen Donnerstag kamen wir etwas früher als erwartet gegen 8 Uhr abends in der Hütte an, wo wir schon von  Rainer und seiner Frau erwartet wurden. Bei uns standen für das Wochenende drei Touren an: i) Die Zugspitze, ii) über die Höllentalklamm zum Osterfelderkopf, iii) auf den Spuren des Salomon Zugspitz Ultratrails von Ehrwald nach Mittenwald.
Die Reihenfolge der Touren war bis zu unserer Ankunft unklar, doch als uns Rainer fragte, was wir denn am folgenden Freitag vorhätten, war schnell klar, dass es wohl auf die Zugspitze gehen wird. Einwände, dass es eventuell eine Wetterwarnung geben könnte, wurden schnell verworfen und kurze Zeit später versorgte Rainer uns noch mit jede Menge Infomaterialien zum Zugspitzaufstieg. Für unseren ersten Aufstiegsversuch entschieden wir uns dafür auf den Fußstapfen der Erstbesteiger entlang des Reintals zu wandeln.

Nach der beschlossenen Sache ging es dann kurz noch für ein kleines Picknick in den nahegelegenen Huberpark in Grainau.

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Durch die Partnachklamm bis zur Reintalangerhütte

Der Weg der Erstbesteiger führt auf etwas weniger als 25 km, bei denen bis zum Gipfel ca. 2200 Höhenmeter zu überwinden wären, durch das komplette Reintal. Die Strecke empfiehlt sich aufgrund der Distanz und der zu überwindenden Höhenmeter eher untrainierteren Personen als zwei Tagestour mit Rast z.B. in der Reintalanger- oder ein Stückchen weiter oben in der Knorrhütte. Das Problem der Strecke ist nämlich, dass man auch irgendwie von der Zugspitze wieder runterkommen muss, wofür sich wohl in den meisten Fällen die Zahnradbahn oder die Seilbahn anbieten. Dabei ist die letzte Talfahrt der Eibsee-Seilbahn zur Zeit z.B. schon um 16:45 Uhr.

Für uns hieß es somit früh aufstehen, zumal die Knorrhütte noch geschlossen sein sollte. Aufgrund der Hitze an diesem Tag und der damit verbundenen schwülen Nacht, fiel das Schlafen jedoch ein wenig schwer, so dass wir ein wenig übermüdet morgens gegen 5:15 Uhr am Ausgangspunkt unserer heutigen Tour waren: Die Olympia Skisprungschanze in Garmisch-Partenkirchen. Noch schnell ein Tagesticket für den Parkplatz gekauft, ging es nach einem kleinen Foto auch schon direkt los in Richtung Partnachklamm. Meine Befürchtungen, dass die Klamm eventuell um diese Uhrzeit geschlossen sein könnte bewahrheiteten sich nicht, dafür verfügte die Partnach an diesem Tag über deutlich mehr Wasser als noch an Ostern, was in der Klamm ein noch eindrucksvolleres Tosen auslöste.

Die Klamm markiert den Eingang zum Reintal. Als wir sie verließen stoßen wir auf ein ganzes Volk an Steinmandl am Ufer der Partnach, wo an Ostern noch eine Gruppe von Einsiedlersteinen das Ufer bewohnte. Doch das war nicht die einzige Veränderung. Der Frühling ist los in den Bergen: überall erblühen die ersten Gebirgsblumen, die Wiesen sind saftig, blumig, bunt und bereits hochgewachsen und es ist eine wahre Augenweide sich dadurch zu bewegen. Der Normalweg über das Reintal führt zur Zugspitze entlang der Partnach. Der Weg auf den ersten 16 km ist vor allem Lang, die Steigung dabei noch recht gediegen, so dass man bis ins hintere Reintal die Strecke komplett durchlaufen könnte. Und ähnliches hatten auch wir vor und so liefen wir die ersten 2 Stunden bis zur Reintalhütte fast komplett  durch. Aber auch nur fast. Die in den Informationsblättern und Reiseführer oftmals verschriene, etwas langweilige Route durch das Reintal entpuppte sich als wahre Attraktion und wir mussten doch ab und an Inne halten, Fotopausen machen oder einfach nur mit offenen Mündern die Natur bestaunen. Besonders beeindruckend unterwegs sind dabei neben der Blick zurück ins Tal die im Kalkstein entstandenen Wasserbecken und die zahlreichen Wasserfälle an denen man vorbeiläuft. Wettermässig  hatten wir mit einer leichten Bewölkung im Nacken optimale Voraussetzungen. Der Weg führt nämlich oftmals offen durch die Sonne und ich kann mir vorstellen, dass es im Sommer  dort auch mal richtig heiß werden kann, was den Weg bei der langen Strecke sehr zäh werden lässt.

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Von der Reintalangerhütte bis zur Knorrhütte

Wir erreichten die Reintalangerhütte um kurz nach 8:00 Uhr und trafen draußen den Hüttenwirt. Nachdem wir uns bei ihm vergewissert haben, ob das Wetter halten wird, musterte er uns  mit unseren Laufschuhen und kurzen Klamotten skeptisch und meinte, dass wir es jedoch eh nicht weit schaffen würden, vor Tagen wäre noch ein wenig Neuschnee runtergekommen. Wir bedankten uns für die Auskunft und sagten, dass wir es wenigstens soweit probieren wollten, wie möglich. Denn auch wenn wir nur das Reintal abgelaufen hätten, hätte sich der Tag doch schon gelohnt. Weiter ging es also zum hinteren Reintal. Auch wenn man bis dorthin sicherlich noch laufen konnten, so beschlossen wir unseren Plan umzusetzen und ab der Reintalangerhütte vermehrt zu gehen.

Das hintere Reintal ist ein eindrucksvolles und völlig flaches Plateau. Wenn man es betritt, fühlt man sich, als ob man in eine andere Welt eintaucht. Allerdings beginnt auch von dort der anstrengende Teil des Aufstieges. Es geht ab hier bergauf und das bergwandern beginnt. Schnell tritt man dabei auf den Felsensteig auf ca. 1800 hm, der bei uns die Nebelgrenze markierte und dessen Rinne, durch die der Steig führt noch größtenteils mit Schnee bedeckt war. Jedoch konnte man sich das etwas anstrengende Kraxeln durch den Schnee sparen und fand einen alternativem (anstrengenden) Weg über die Felsen.

Als die Umgebung am Ende des Steiges sich wieder ein wenig öffnete machten wir eine kurze Pause. Nach unserer Pause klärte der Nebel ein wenig auf und offenbarte den Blick nach oben: ca. 100 m von uns wurde plötzlich etwas dunkeles sichtbar. Hielte ich es erst noch für eine Brücke, war dann keine zehn Sekunden später klar, dass es die Knorrhütte war. Wir mussten lachen, eine Pause ca. 100 m von der Knorrhütte entfernt eingeschlagen zu haben.

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Von der Knorrhütte bis Sonnalpin

Die Knorrhütte wurde wohl gerade noch fit gemacht für die bald startende Saison. Für uns markierte sie die Schneegrenze an diesem Tag. In einem Reiseführer noch gelesen, dass der Weg zwischen Knorrhütte und Zugspitzplatt mit 40 Stäben abgesteckt sei um im Winter bei Schnee den Weg zu kennzeichnen, fanden wir nur noch auf einer unter dem Schnee begrabenen Informationstafel die Nachricht vor, dass sämtliche dieser Stäbe entfernt wurden wären.

Wir standen also da ohne ersichtlichen Weg. den einzigen Anhaltspunkt, den wir hatten war ein Wegweiser in der Nähe der Knorrhütte und ein paar Spuren im Schnee, die vermutlich in Richtung dieses Weges entlang schritten. Wir beschlossen uns das Risiko einzugehen und den Spuren zu folgen. Mit jeden Schritt traten wir mehr in die Nebelfront ein. So ging es also ohne zu sehen was rechts oder links vor uns liegt entlang der Spuren, auch wenn diese mal signifikant von meinem zur Sicherheit geladenen GPS-Track abwichen.

Ab und an hatten wir jedoch auch das Glück, dass die Wolke kurz aufklärten und zeitweise ihr Geheimnis preisgaben. Schon wenig später setzten wir unsere Sonnenbrillen gegen das Blenden des Schnees auf und folgten weiter den unbekannten Spuren. Geschätzte 100 Höhenmeter unterhalb vom Zugspitzplatt/Sonnalpin ließen wir den Wolkennebel dann gänzlich hinter uns stehen und genoßen den herrlichen Panoramablick auf die Gipfel die durch das Wolkenmeer ausbrechen.

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Vom Sonnalpin mit der Gletscherbahn auf die Zugspitze

Die Sonnenalpin auf 2600 hm erreichten wir nach mehrmaligen einsacken im Schnee jedoch relativ gut gegen 12:00 Uhr und waren wohl mit unseren kurzen Klamotten eine der Attraktionen an diesem Tag für die Touristen. Wenn wie bei uns kein Wind, Schnee oder Regen im Gebirge herrscht wird es aber immer dann nur kalt, wenn man pausiert. Daher schlupften wir rasch in etwas längere Klamotten, nachdem wir in der beheizten Sonnalpin ein Stück Kuchen genoßen haben und vom netten Wirt unsere Trinkflaschen aufgefüllt bekommen haben.

Letzteres war jedoch fast unnötig: Als wir wieder weiterziehen wollten fing es kurz an zu regnen und es bestätigte sich unser Eindruck: Das Steilstück des Weges zur Zugspitze von der Sonnalpin ist an diesem Tag für uns nicht begehbar. Auf den Hang zur Wetterstation waren überall abfallende Schneelawinen ersichtlich und ohne Steigeisen oder ähnliches brauchten wir es an diesem Tag gar nicht erst probieren. Also ein Ticket für die Talfahrt gekauft und ab ging es mit der Gletscherbahn erstmal zum Gipfel der Zugspitze.

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Auf der Zugspitze und die Eibsee-Seilbahn

Auf dem gut ausgebauten Gipfelplateau der Zugspitze hatten wir bei ca. 71 km/h Windgeschwindigkeit eine Top Aussicht….wenn man nicht gerade in Richtung Eibsee blicken wollte. Dort sah man gar nichts.

An diesem Tag waren recht wenig Touristen auf der Zugspitze und so störte auch das zubetonierte des Gipfels nicht sonderlich. Der kurze Klettersteig zum Gipfel selbst war noch abgesperrt, so dass es für uns an diesem Tag tatsächlich nicht noch weiter ging. Dafür ging es jedoch nochmal rein in den Gastronomiebereich für ein zweites Stück Kuchen, ehe wir dann wieder mit der Eibsee-Seilbahn rasant bergab geleitet wurden.

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Vom Eibsee nach Garmisch-Partenkirchen und wieder zurück nach Grainau

Am Eibsee folgten wir noch kurz 2 km dem Rundweg bis zur ersten Brücke, von der man schon einen guten Panoramaausblick hatte. Danach ging es zurück in Richtung Zahnradbahn am Eibsee, bzw. dessen Schienenersatzverkehr. Der brachte uns wenig später nach Grainau und von dort ging es dann wieder mit der Zugspitzbahn weiter nach Garmisch. Nach einem kurzen Fußmarsch durch besten Sonnenschein erreichten wir unser Auto wieder um 17:30.  Insgesamt waren wir also 12 Stunden unterwegs, wobei der Weg durch den Schnee bis zur Sonnalpin doch schon sehr Kräfte und Zeitzerrend war.

Auf der Rückfahrt noch kurz an einem Supermarkt gehalten, war auch das Abendessen mit leckeren Hackfleischnudeln und einer Menge Parmesan gesichert.

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Fazit zur Zugspitzbesteigung

Es ging also das erste Mal in meinem Leben auf die Zugspitze hinauf. Deutschlands höchster Berg. Hoch waren die Erwartungen. Durch den Whiteout und den Schnee bei der Knorrhütte sehr abenteuerlich. Erst viel später bei anderen Besteigungsversuchen sollte ich erfahren, dass das Zugspitzplatt an sich relativ ungefährlich ist und wir uns im Schnee nicht allzuviele Sorgen machen müssten. Der Aufstieg bis Sonnalpin selbst ist unproblematisch, die Tour durch das Reintal relativ lang. Insgesamt war es eine schöne abenteuerliche Tour – da das letzte Stück zwischen Sonnalpin und Zugspitze ausgelassen wurde, auch eine Tour mit Rückkehrpotential.

Streckenverlauf und Daten

Gesamtstrecke: 23.12 km
Maximale Höhe: 2442 m
Minimale Höhe: 733 m
Gesamtanstieg: 2813 m
Gesamtabstieg: 1104 m
Gesamtzeit: 06:05:40
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